| Israelis suchen Bombenleger - nicht Bomben |
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Während an europäischen Flughäfen über die Einführung von Nackt-Scannern zur Erhöhung der Flugsicherheit nachgedacht wird, haben die Israelis ganz ohne Nackt-Scanner in Tel Aviv den sichersten Flughafen der Welt geschaffen. Ihr Geheimnis: Sie suchen nach Bombenlegern, nicht nach Bomben. Dabei tun sie etwas, was im politisch korrekten Europa unmöglich wäre: Sie unterscheiden ihre Fluggäste nach ethnischen Gruppen. Terrorismusforscher Ariel Merari vom Interdisciplinary Center in Herzlija ist der Meinung, es wäre „einfach dumm“, nicht nach ethnischen Gruppen zu unterscheiden. „Sie wollen mir doch nicht ernsthaft erzählen, eine achtzigjährige Überlebende des Holocaust stelle ein potenziell ebenso großes Risiko dar wie ein junger, muslimischer Mann?” Die WELT schreibt: Der internationale Flughafen von Tel Aviv gilt als der sicherste Airport der Welt. Und das, obwohl – oder weil – Israel seit Jahrzehnten Anschläge fürchten muss. Doch das Land kommt ohne Nacktscanner aus. Während anderswo nach den technischen Hilfsmitteln für Bomben gefahndet wird, suchen die Israelis nach dem Bombenleger. (…)
Ron hat eine klare Meinung zum Einsatz von Nacktscannern: „Das ist alles großer Humbug, eine lächerliche Sicherheitsshow.“ Natürlich sei auch in Tel Aviv die modernste Technik im Einsatz. Doch nur wenige Passagiere müssen ihre Schuhe ausziehen, auch Getränke darf man mit ins Flugzeug nehmen, und als nach dem 11. September alle Fluggesellschaften ihren Passagieren Plastikbesteck verordneten, gab es bei El Al immer noch Metallgabeln und richtige Messer. Was macht Israel richtig? Anderswo, so Ron, suche man mit technischen Hilfsmitteln nach der Bombe; die Israelis suchen nach dem Bombenleger. „Menschen machen Fehler, sie verhalten sich unter Stress anders. Angst und Nervosität kann man Menschen ansehen“. Man müsse nur wissen, wie. Der Kern der Sicherheitsuntersuchung ist eine Befragung vor dem Einchecken. Man wird etwa nach dem Vornamen des Vaters oder nach Adressen von Freunden in Israel gefragt. Wer sich hier verhaspelt, kann mit einer intensiveren Befragung rechnen. Doch die Kontrollen beginnen noch früher: Schon nach dem Kauf eines Tickets werden die Daten an die Flughafenbehörde weitergeleitet und mit einer Liste von Terrorverdächtigen abgeglichen. Bei der Einfahrt auf das Flughafengelände wird jeder Fahrer nach seinem Herkunftsort befragt. Wer Nervosität an den Tag legt – oder aus einem arabischen Dorf kommt – muss möglicherweise eine Kontrolle seines Fahrzeugs erdulden. Am Terminaleingang steht ein weiterer Sicherheitsmann. Und wieder geht es darum, Verhaltensauffälligkeiten ausfindig zu machen. Haben zwei Passagiere heimlich Blickkontakt? Klammert sich jemand nervös an seine Tasche? Überwachungskameras senden Bilder aus dem Terminalgebäude an das Sicherheitszentrum. Sollte jemand das Misstrauen der Sicherheitsleute erregt haben, dann wissen das die jungen Männer und Frauen längst, wenn sie den Passagier freundlich nach Ticket und Reisepass fragen. Wer die Prozedur unangenehm findet, muss bedenken, dass ein möglicher Attentäter eventuell gar nicht weiß, dass er oder sie ein Attentäter ist. Rafi Ron verweist auf den Fall der Britin Anne Mary Murphy, die 1986 die Eltern ihres palästinensischen Verlobten besuchen wollte. Ein El-Al-Sicherheitsmann in London machte Unstimmigkeiten bei ihren Antworten aus. Bei einer Untersuchung ihres Gepäckes wurde dann eine Bombe gefunden. Die hochschwangere Anne Mary Murphy konnte nicht ahnen, dass ihr Verlobter sie und ihr gemeinsames ungeborenes Kind in den Tod schicken wollte. In dem Fall hätte ein „Profiling“ in Risikokategorien nach ethnischen Gesichtspunkten ebenso wenig geholfen wie 1972, als japanische Terroristen im Auftrag der PFLP (Volksfront zu Befreiung Palästinas) auf dem Flughafen von Tel Aviv ein Massaker anrichteten und 24 Menschen töteten. Dennoch ist es klar, dass ethnische und religiöse Kategorien eine Rolle spielen. Während die meisten jüdischen Israelis gar nicht wissen, dass eine Sicherheitsbefragung länger als drei Minuten dauern kann, können fast alle arabischen Bürger des Landes von stundenlangen Befragungen in separaten Räumen erzählen. Araber in Reisegruppen werden von jüdischen Mitreisenden getrennt und weit ausführlicher befragt.(…)
In Europa geht man eher hin und schränkt die Persönlichkeitsrechte aller Bürger ein als einzelne potentielle Attentäter zu diskriminieren. George Orwell läßt Grüßen.
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