Türkische Akademikerinnen für Kopftuchverbot

Sie sind fachlich hoch qualifiziert, integriert, gebildet und klug – kurz, die Sorte von Zuwanderinnen, die man sich wünscht. Und sie fordern ein absolutes Kopftuchverbot an Schulen, Hochschulen und Behörden. 20 türkischstämmige Frauen haben sich zur Frankfurter Initiative progressiver Frauen (Frainfra) zusammengeschlossen.

Sie wollen in der Integrationspolitik mitmischen, denn sie halten es für falsch, dass Integration in Deutschland heißt, den Forderungen der Islamverbände immer und immer wieder nachzugeben.

20 fachlich hochqualifizierte, kluge Frauen, die sich zusammengeschlossen haben in der neuen Initiative und vor allem eines nicht wollen: das Kopftuch. Keine von ihnen trage Kopftuch, betont die Zahnärztin Dr. Ezhar Cezairli. In ihrer Vereinigung seien Kopftuch tragende Frauen absolut unerwünscht. «Weil wir ausdrücklich dem in Deutschland vorherrschenden Klischee der Kopftuch tragenden, unterdrückten, ungebildeten und tief im Islam verwurzelten Migrantin entgegentreten wollen», sagt Ezhar Cezairli. Sie fordert ein absolutes Kopftuchverbot in deutschen Schulen, Hochschulen, Behörden.

Die Religion und deren Ausübung gehört für die progressiven Frauen nämlich, wie sie betonen, in den Privatbereich. Hier zu Lande aber werde Integration in der Weise missverstanden, den weitreichenden Forderungen muslimischer Verbände bereitwillig nachzugeben. Cezairli: «Das führt in die falsche Richtung.»

Dass die politisch Verantwortlichen die Eingliederungsdebatte vornehmlich mit großen muslimischen Verbänden führten, die sich ausgäben als Interessensvertreter der Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime, bedürfe der Korrektur. Allenfalls 20 Prozent der Muslime seien überhaupt organisiert. Die Zahnärztin kritisierte zudem, dass Integration vor allem angegangen werde über religiöse Themen wie die Schulung von islamischen Vorbetern, den Imamen, und Islam-Unterricht an Schulen. «Ich bin dagegen, dass meine Steuern für die Ausbildung von Imamen ausgegeben werden», betonte Cezairli, die auch Mitglied der Deutschen Islamkonferenz ist.

Sehr passend in einer Zeit, in der kritische Stimmen aus der Islamkonferenz entfernt werden, und die Bundesregierung sich dafür feiern lässt, dass sie den Forderungen der Verbände wieder nachgegeben hat, die einen rückwärtsgewandten Islam installieren wollen und vor allem für sich selbst Politik machen.

Wichtig seien Bildungschancen und die Einflussnahme aufs Elternhaus, wo die Bedeutung der Schule erkannt werden müsse, betonte die Rechtsanwältin Gönül Halat-Mec. «Integration funktioniert nur mit Bildung, deshalb wollen wir die vorantreiben.» Sie selbst habe erlebt, welche Begrenzungen es in Elternhäusern gebe. Auch ihre Eltern hätten sie lediglich zur Realschule gehen lassen, «weil die Idee war, dass die Familie irgendwann doch wieder zurück in die Türkei geht.» Solch eine Einstellung verhindere Integration. «Da besteht viel Nachholbedarf, da wollen wir ansetzen.»

Eine beruflich qualifizierte Frau mit Migrationshintergrund werde in der deutschen Gesellschaft als «totale Ausnahme» angesehen. «So will ich aber nicht wahrgenommen werden», sagt die diplomierte Betriebswirtin Sunay Caphan. Anstatt weiterhin wie eine exotische Erscheinung bestaunt zu werden, wolle sie eingebunden werden in die politische Debatte. Caphan: «Wir sind dialogbereit.»

Auch Zeliha Dikmen, diplomierte Informatikerin, forderte eine Beteiligung an der aktuellen Integrationsdebatte, um «der schleichenden Islamisierung der Gesellschaft» entgegenwirken zu können. «Wir als Türkischstämmige können das offener sagen. Den Deutschen wird gleich Fremdenfeindlichkeit nachgesagt.»

An einer Kooperation mit dem vor kurzem in Frankfurt gegründeten Kompetenzzentrum muslimischer Frauen sei ihr Zusammenschluss ausdrücklich nicht interessiert, betonte Ezhar Cezairli. «Diese Frauengruppe definiert sich über den Islam. Das aber kommt für uns gerade nicht in Frage.»

Aber an einer echten Integration sind die Verantwortlichen gar nicht interessiert. Auch diese Frauen werden die Erfahrung noch machen…