| Geschöntes Bild der Sicherheitslage |
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Das ist schon bemerkenswert, daß auch im Mainstream – und nicht von nur politischen Außenseitern oder gar Verschwörungstheoretikern – massive Zweifel an amtlichen Statistiken aufkommen. Heute ist wieder so ein Tag. Da werden in Berlin die Zahlen zur Kriminalität vorgelegt. Innensenator Erhart Körting und Polizeichef Dieter Glietsch (beide SPD) werden vermutlich wie in den vergangenen Jahren wieder ein leichtes Sinken der Zahlen vermelden. Aber stimmt das auch? Die Gewerkschaft der Polizei erhebt neuerdings schwere Vorwürfe. Die Zahlen sollen geschönt sein, um ein „gesundes Bild“ der Sicherheitslage in der Hauptstadt darzustellen, heißt es in der Berliner Morgenpost. Ein paar Praxisbeispiele: 1. Ein Typ steckt zehn Autos an, die Polizei wertet diese Fälle von Brandstiftung aber nur als einen einzigen. 2. Beteiligen sich an einer gewalttätigen Demonstration am 1. Mai 50 Personen, dann ist dies eine Straftat (Landfriedensbruch), selbst wenn sich später mehrere Verurteilungen daraus ergeben. 3. Das gleiche gilt, wenn fünf Personen Widerstand gegen die Staatsgewalt in Form von fünf Polizisten leisten – insgesamt nur eine Straftat. 4. Leistet jemand Widerstand und verletzt dabei einen Polizisten (zusätzlich Körperverletzung), dann wird nur das Delikt mit der höheren Strafandrohung gezählt. Das andere verschwindet aus der Statistik. Schwupps – und schon ist Berlin wieder ein wenig sicherer und Straßengewalt weniger gefährlich geworden. Vermeintliche Erfolge der Politik Schließlich berichtet die Berliner Morgenpost davon, wie die Polizei ihre Aufklärungsquote erhöht, wenn dies gewünscht ist: Dann werden ein paar Polizisten abgestellt, die die Fahrkartenkontrolleure in Bussen und Bahnen begleiten. Jeder erwischte Schwarzfahrer ist gleichzeitig ein aufgeklärter Fall. Die Aufklärungsquote ist also immer hundert Prozent. „Fauler Budenzauber“, urteilt deswegen ein hoher Polizeibeamter über die Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik. Die Lehre kann nur sein: Augen aufhalten und den eigenen Kopf benutzen, wenn die Mächtigen mit ihren eigenen Statistiken auf die vermeintlichen Erfolge ihrer Politik hinweisen! Solche Statistiken werden nicht selten zu dem Zweck erstellt, die Leute für dumm zu verkaufen. Ronald Gläser, 1973 in Berlin geboren, Amerikanist, lebt und arbeitet in Berlin und Hamburg
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