Der Fall des famosen Karl-Theodor zu Guttenberg


Dr.Klaus Wieser,Landesverband Hamburg                              04.03.2011


Wir, die politisch Interessierten und Engagierten in unserem Land, haben uns wohl in der Person des Freiherrn im Ministeramt geirrt.

Natürlich war manches etwas zu aufgesetzt – nicht nur sein Familienausflug nach Afghanistan; aber irgendwie wurden leichte Peinlichkeiten von Karl-Theodor zu Guttenberg überspielt. Tja – man merkt, gelernt ist gelernt. Ein guter Auftritt verdrängt manches. Alter deutscher Adel sichert einen Vorsprung in der Beurteilung – auch bei Verfehlungen. Wenn dann auch noch ein passables Äußeres, hohe Reaktions- und Formulierungsstärke in Krisensituationen sowie eine vorzeigbare Ehefrau hinzu kommt, ist eine steile politische Karriere garantiert.
Es sei denn, seine Verfehlungen überschreiten wie in diesem Fall ein bestimmtes Maß.

Große Teile einer Doktorarbeit einfach abzuschreiben, ist schlicht und einfach Betrug. Jeder Doktorand hat eine entsprechende Versicherung abzugeben, dass er sich nicht unerlaubter Hilfsmittel bedient und fremdes Wissen entsprechend kenntlich gemacht hat. Diese Versicherung wurde von Karl – Theodor zu Guttenberg abgegeben, denn ohne sie hätte er nicht promovieren können.
Damit ist endgültig das, was der Freiherr getan hat, nicht als ein bedauerlicher Fehler sondern als Betrug zu sehen.

Natürlich kann trotz der feststellbaren Relativierung von Wertmaßstäben im Politgeschäft in Berlin und anderswo dieses sehr weitgehende Fehlverhalten nicht toleriert werden. Wie so häufig hat die Bundeskanzlerin zunächst falsch entschieden, indem sie in ihrer ersten Stellungnahme das Verhalten der Person und das ihm durch sie verliehene Amt trennte und somit das Verhalten ihres Ministers bagatellisierte. Sie wollte den Freiherrn halten und sich darüber hinaus auch nicht dem Verdacht aussetzen, es mangele ihr an Fürsorge für einen leitenden Angestellten.
Es ist aber nicht egal, welche Verfehlungen ein Bundesminister vor Übernahme seines Amtes begangen hat – auch wenn beides nicht direkt etwas miteinander zu tun hat.
Das gilt auch für alle anderen, die meinten und wohl noch meinen, Solidarität mit dem bisherigen Verteidigungsminister üben zu müssen.

Die Kritiker dieser merkwürdigen Solidarität müssen sich darauf einstellen, sich der Rache dieser Personen auszusetzen. Damit ist zu rechnen, da diese durch ihre Solidarität mit Karl – Theodor zu Guttenberg einen schlimmen eigenen Werteverfall offenbart haben. Besonders der Herr Horst Seehofer – bekanntlich ein wertebewusster, persönlich hoch integrer Politiker – hat mit Vergeltung gedroht, weil sein Schützling abgestraft wurde.
Frau Bundesministerin Annette Schavan, die sich klamm und heimlich fremdschämte, wird zukünftig mit der bayrischen Rache zu rechnen haben.

Aber auch noch andere, wie der "Doktorvater" und der Zweitgutachter dieser Doktorarbeit müssen sich fragen lassen, wie sie ihren Pflichten nachgekommen sind. Im gewissen Umfange müsste man darüber hinaus der Universität Bayreuth einige Fragen stellen. Der Fall des famosen Karl – Theodor zu Guttenberg ist für sie auch ein Hinkelstein geworden, der ihnen allen auf die Füße fallen könnte.
Dass die fixen Redakteure von der BILD – Zeitung von Anfang an wussten, dass es sich um einen Betrug und nicht nur um einen lässlichen oder vielleicht auch schweren Fehler wie im Falle Käßmann handelte, ist anzunehmen. Dass sie trotzdem ihre schützende Hand bis fast zuletzt über den Verteidigungsminister hielten, ist ganz bestimmt ebenfalls nicht wertebewusst – aber sie sind ja auch nur BILD – Redakteure und nicht Verteidigungsminister.

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 11. April 2011 um 12:58 Uhr