Lehrermangel gefährdet den Wirtschaftsstandort Deutschland

Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg,09.03.2009 

In der vergangenen Woche tagten in Stralsund die Kultusminister der Länder. Ein überragendes Thema war - wieder einmal - der Lehrermangel an Deutschlands Schulen.
Nach Angaben des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, fehlen derzeit etwa 20 000 Lehrer. Insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fächern sei der Lehrermangel gravierend. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisiert, die Bundesländer hätten bis zum Jahr 2007 rund 17 000 Lehrer weniger eingestellt als von der KMK vier Jahre zuvor für notwendig befunden. Der Lehrermangel ist aber nicht das einzige Problem an Deutschlands Schulen. Die Lehrer sind im Durchschnitt viel zu alt. Laut dem Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung sind 55,4 Prozent der Lehrer älter als 50 Jahre. Ihre Anzahl hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten fast vervierfacht.
Bundesbildungsministerin Schavan hat in diesem Zusammenhang kürzlich gefordert „Top-Mitarbeiter“ von Unternehmen an Schulen unterrichten zu lassen. Die Bundesländer selbst versuchen derzeit, dem akuten Mangel zu begegnen, indem sie sich gegenseitig ausgebildete Lehrer abwerben.

Die Deutsche Zentrumspartei kommentiert diese Vorgänge wie folgt:
Seit Jahrzehnten beherrschen die Schlagzeilen vom Lehrermangel die bildungspolitische Diskussion in Deutschland. So alt sind auch die Lippenbekenntnisse der Parteien zum „Bildungsstandort Deutschland“. Der herrschende Lehrermangel dokumentiert das vollständige Versagen der Kultusbürokratie sowie der diese Bürokratie tragenden politischen Parteien. Die zuständigen Bundesländer haben es grob fahrlässig versäumt, rechtzeitig genügend Lehrer auszubilden. Dabei mangelt es der Kultusbürokratie nicht an  fächerbezogenen Bedarfsanalysen. Auch die Pensionierungswellen kommen schließlich nicht überraschend. Das Übel liegt darin, dass die Länder dem Lehrermangel nicht durch attraktive Entwicklungsperspektiven für angehende Lehrer entgegenwirken. Besonders negativ fällt für uns in diesem Zusammenhang Berlin auf.

In den kommenden Jahren fehlen allein in Berlin Tausende Lehrer, denn derzeit scheiden monatlich im Schnitt 80 von ihnen altersbedingt aus dem Beruf aus. Neue Lehrer für Berlin finden sich infolge der dort herrschenden Rahmenbedingungen kaum. So wurde in Berlin  die Verbeamtung von Lehrern im Jahr 2004 abgeschafft. Seit dem 1. September vergangenen Jahres haben sich die finanziellen Bedingungen für den Nachwuchs sogar noch weiter verschlechtert. Zwar sind die bis dahin tariflos angestellten Lehrer in das Tarifgefüge der Länder wieder aufgenommen worden, doch dafür verdienen sie 400 Euro weniger als die Kollegen, die vorher eingestellt worden sind. In Hamburg etwa, Abwanderungsgebiet Nummer eins für Berliner Referendare, werden die Pädagogen verbeamtet und bekommen mindestens 600 Euro netto mehr als in Berlin. Daher haben in der Vergangenheit zahlreiche ausgebildete Berliner Pädagogen den Weg nach Hamburg gefunden. Aktuell gibt es auch in Baden-Württemberg Bestrebungen, Berliner Lehrer abzuwerben. Die Berliner Lehrerschaft blutet angesichts der miserablen Personalpolitik des Berliner Senats allmählich aus. Wer möchte, kann diese Entwicklung auch als beispielhaft für die ganze Verlogenheit der sozialen und bildungspolitischen Propaganda der Linkspartei, die Senatoren in diesen Berliner Senat entsendet, ansehen.

Gravierender Lehrermangel gefährdet nach Auffassung des Vorsitzenden der Zentrumspartei nicht nur das Recht unserer Kinder auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung, sondern stellt auch eine nachhaltige Gefährdung des Wirtschafts- und Hochtechnologiestandorts Deutschland dar. Der Lehrermangel an unseren Schulen wird auch nicht dadurch abgebaut, dass - wie Bundesbildungsministerin Schavan es fordert - „Top Leute“ aus der Wirtschaft ausgebildete Pädagogen ersetzen. Zwar brauchen unsere Schulen  den Austausch mit der Wirtschaft. Mitarbeiter aus der Wirtschaft sollen aber nicht als Lehrerersatz, sondern nur als begleitende Experten zum Einsatz kommen. Für einen Einsatz als Lehrkraft fehlt dem Personal aus der Wirtschaft die pädagogische Ausbildung.

Die Deutsche Zentrumspartei fordert daher die Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen in allen Bundesländern, um junge Menschen für den Lehrerberuf zu interessieren. Weiter ist durch alle Bundesländer sicherzustellen, dass gemessen am eigenen Bedarf eine ausreichende Zahl an Studien- und Referendarplätzen bereitgestellt wird. Abwerbeaktionen der Bundesländer wird damit der Boden entzogen.
Deutschland steht mit dem Rücken zur Wand. Es wird Zeit, dass sich die Politik unseres Landes auf das Wesentliche konzentriert.




Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 17. April 2011 um 08:58 Uhr