Dr.Klaus Wieser, Landesverband Hamburg 28.03.2011
Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von Freiburg, Robert Zollitsch, sagte in einem Interview am 25.03.2011 mit dem Hamburger Abendblatt: "Wenn die Truppen des Diktators Gaddafi tatsächlich kurz davor standen, im Osten Libyens ein Blutbad anzurichten, ist ein Militäreinsatz auf der Grundlage eines Mandats zum Schutz der Zivilbevölkerung grundsätzlich vertretbar!"
Auf der anderen Seite machte der Erzbischof allerdings klar, dass die Bedenken gegen "dieses militärisches Eingreifen aber auch nicht gering geachtet werden sollten."
Damit offenbart der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, wieder einmal das ethische Dilemma, in dem alle Überlegungen zu einem "gerechten Krieg" stecken bleiben. Wenn sogar der Erzbischof keine endgültige Lösung dafür anbieten kann, dann natürlich auch wir nicht. Wir könnten eigentlich nur erwägen, ob wir seinen Überlegungen / Empfehlungen folgen sollten.
Das hat zwar nur indirekt etwas mit der Stimmenthaltung Deutschland im UN – Sicherheitsrat zu tun, die unserer Ansicht nach falsch war. Hierzu vergleiche unseren Beitrag: "Schwere Folgeschäden wegen der Stimmenthaltung bei der Libyen – Resolution im Sicherheitsrat zu befürchten!"
Viel wichtiger ist – und damit stimmen wir wohl alle mit dem Erzbischof überein -, dass es in jedem Fall problematisch ist, dass an einen offenkundigen Despoten seit 2004 Waffen und Kommunikationstechnik verkauft wurden, die er bei Bedarf gegen die eigene Bevölkerung einsetzen konnte und kann. Man kann hinzufügen, dass auch das unwürdige Buhlen demokratisch gewählter Politiker um die Gunst dieses blutrünstigen Herrschers abstoßend war und bestimmt die Macht Gaddafis stabilisiert hat .
Schließlich meinte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, dass auch die Sanktionspolitik der letzten Wochen etwas Halbherziges hatte. Und nicht einmal die westlichen Staaten hätten mit einer Stimme gesprochen.
Und wir anderen haben bis in die letzten Tage hören und lesen müssen, dass immer noch Finanzen aus dem Ölgeschäft in Gaddafis Taschen geflossen sind. Man kann auch nicht wissen, ob mit etwas mehr Klarheit und Stringenz bei dem Boykott das Schlimmste hätte verhindert werden können. So waren es nur die Flugzeuge der Franzosen, Engländer und Amerikaner, also ein Militäreinsatz, der Bengasi und die dortige Zivilbevölkerung gerettet hat.