Schweres Erdbeben in Japan und die Folgen


Dr.Klaus Wieser, Landesverband Hamburg, 13.03.2011


Am Freitag, den 11.03.2011, gegen 14.45 Uhr Ortszeit, erlebte Japan mit 9,0 auf der Richter - Skala das schlimmste Erdbeben seiner neueren Geschichte – verheerender noch, als man es sich in diesem erdbebengewohnten Land bisher überhaupt vorstellen mochte. Allein diese Katastrophe war schon schlimm genug; aber das war eigentlich nur der Auftakt zu dem, was noch folgte.
Der sich anschließende Tsunami vergrößerte das Leid der Betroffenen an der Küste; er kostete zusätzlich einer noch unbekannten Anzahl Menschen das Leben und vernichtete weitere riesige Vermögenswerte.
Und dann auch noch das: Ein GAU in Atomreaktoren – in wie vielen weiß man zur Zeit noch nicht, sowie ebenfalls nicht die Intensität und den Umfang der davon betroffenen Gebiete.

Für die Menschen und für das Land ist diese Abfolge der Schrecken noch lange nicht zu Ende, denn der Super GAU – anders kann man das Geschehene nicht benennen – entfaltet erst jetzt ( zwei Tage später ) seine entsetzliche Wirkung. Man mag nicht daran denken, was das Ende sein kann. Die Stadt und die Gegend um Tschernobyl machen heute noch, 25 Jahre nach diesem Unfall, deutlich, was den Menschen um die havarierten japanischen Kernkraftwerken herum noch bevorzustehen scheint.
Und man kann nur aus ganzem Herzen hoffen, dass den Japanern das Schicksal der Ukrainer und Russen seinerzeit erspart bleibt.
Aber man muss daran erinnern, dass die Gegend um Tschernobyl relativ dünn besiedelt war – ganz anders als die Umgebung des AKW Fukushima.

Die Folgen dieses dritten Schreckens für Japan sind zwar noch nicht abzusehen – aber es fällt leicht, sich vorzustellen, worin sie bestehen werden: In einem unermesslichen Leid der Opfer, die um ihre Angehörigen trauern, die Schmerzen und der Verlust von Lebensqualität für diejenigen, die selbst schwer verletzt und auf Dauer zu Invaliden wurden, der Verlust von Vermögen, Erwerbsgrundlage und möglicherweise auch der Heimat, wenn beispielsweise die Gegend verstrahlt wurde usw. Wir und die anderen europäischen Nationen sowie die USA, Kanada usw. sollen und müssen mit all unseren Kräften den Japanern helfen.
Das hochverschuldete Japan wird – obgleich zur Zeit noch die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde – in Zukunft nur noch sehr schwer seiner überalterten Bevölkerung die Lebensgrundlagen bieten können, an die sich die Menschen gewöhnt haben.
Es wird all der Tugenden bedürfen, des Fleißes, der Erfindungskraft, der Disziplin und der Aufopferungsbereitschaft, für die die Japaner bekannt sind und die ihnen nach dem Zweiten Weltkrieg vergleichbar mit Deutschland einen steilen wirtschaftlichen Aufstieg ermöglichte.

Zu den Folgen dieses SUPER - GAUS wird in Japan ganz sicher auch die Diskussion über die Kernkraft gehören, die bisher in diesem Land merkwürdigerweise unbestritten war. Merkwürdigerweise deshalb, weil gerade Japan als erste Nation Opfer der Atombombe wurde – der gleichen Kraft also, die zur Zeit den dritten Schrecken in diesem Land verbreitet. Es gab in Japan bisher keine ernst zu nehmende Opposition gegen die Kernkraft – obgleich auch hier immer noch nicht die Frage nach der Entsorgung des atomaren Mülls gelöst ist.

Zu den Folgen wird aber in Deutschland ein Wiederaufflammen der Diskussion um die Kernkraft generell und zu den verlängerten Restlaufzeiten für die deutschen AKW`s gehören. Von den Erklärungen der Kanzlerin in diesem Zusammenhang lässt aufhorchen, dass sie von einer besonderen Sicherheitsüberprüfung sprach. Wieso denn das ? Bisher wurde von allen beteuert, besonders natürlich von der Atomlobby, dass die deutschen Kernkraftwerke den denkbar höchsten Sicherheitsstandard haben. Außerdem gibt es bei uns relativ wenige und dann auch noch verhältnismäßig harmlose Erdbeben und kaum nennenswerte Tsunamis, höchstens stramme Nordweststürme – allerdings eine Menge selbstmörderische islamistische Fundamentalisten, die auf die Idee kommen könnten, zum höheren Lobe Allahs sich und ein AKW in die Luft zu sprengen. Und es gibt bei uns eine Menge Flugzeuge, die auf ein Kernkraftwerk fallen könnten. Angeblich soll das für die Schutzhülle eines AKW`s wenig bekömmlich sein.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sind unsere Kernkraftwerke wirklich gegen alle denkbaren Risiken gewappnet ?
Gilt das auch für die immer wieder genannten Schrottreaktoren ?

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 11. April 2011 um 10:03 Uhr