„Fehmarn 21“ ist nicht zu befürchten


Dr.Klaus Wieser, Landesverband Hamburg     21.01.2011


Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer scheint aus "Stuttgart 21" gelernt zu haben – mindestens theoretisch: Da er nach den monatelangen Protesten gegen das Bahnprojekt in Stuttgart eine Wiederholung in Schleswig – Holstein gegen die geplante Fehmarnbelt - Querung fürchtet, hat er die Parole ausgegeben, dass zukünftig – und besonders bei diesem Projekt – die Bürger stärker mit einbezogen werden sollten.
Jenseits der formalen Planungsverfahren, die es auch in Stuttgart gegeben habe, müsse eine wesentlich breitere Kommunikation betrieben werden. Nur so blieben zukünftig Großprojekte in Deutschland noch möglich. Besonders bei der Hinterlandanbindung müsse der Bürger mit entscheiden dürfen.
Hier ist das die Trasse von Lübeck nach Puttgarden.

Es geht bekanntlich um die Verbindung zwischen der Insel Fehmarn auf deutscher und der Insel Lolland auf dänischer Seite. Von Dänemark war der dringende Wunsch geäußert worden, eine derartige feste Anbindung zu bekommen – wobei noch nicht sicher ist, ob als Brücke oder als Tunnel.
Deutschland ist zögerlich, weil aus unserer Sicht nicht die Notwendigkeit einer festen Verbindung gesehen wurde und wird, während die Dänen dieses auf Biegen und Brechen haben wollen. Sie wollen entweder eine Brücke oder einen Tunnel anstelle der jetzigen Fährverbindung. Sie haben deshalb angeboten, diese Querung auf eigene Kosten zu bauen und zu betreiben. Die Investitions- und Betriebskosten sollen durch eine Maut finanziert werden. Die Kosten für die 19 Kilometer lange Verbindung über die Meerenge sollen sich inzwischen auf 5,5 Milliarden Euro belaufen. Dazu kommen noch die Anbindungen auf dänischer und auf deutscher Seite.

Die deutsche Seite rechnet mit 800 Millionen Euro für die Anbindungen. Dabei ist es in Ostholstein, etwa zwischen den Badeorten Timmendorfer Strand und Scharbeutz, schon zu Protesten gekommen.
Die Gegner des Milliarden – Projektes halten die Querung ökologisch für riskant und befürchten wegen des stärkeren Verkehrs und dem davon ausgehenden Lärm große Nachteile für den Tourismus. Die Landwirte haben darüber hinaus Angst, dass für den Bau der Trassen Flächen verloren gehen könnten.

Dabei sind - je nachdem, ob sich die Dänen für einen Tunnel oder eine Brücke entscheiden - die Belastungen für die Umwelt und für den Tourismus unterschiedlich. Das gilt sowohl für den Bau wie für den Betrieb der Querung. Im Gespräch sind zur Zeit entweder eine Schrägkabelbrücke oder eine Hängebrücke bzw. ein Absenktunnel oder ein Bohrtunnel.
Nach der Ansicht der deutschen Anti – Querungs – Initiativen ist der gebohrte Tunnel das kleinere Übel, weil nur 11 Millionen Tonnen Aushub anfielen – bei einem Absenktunnel seien es 15 Millionen. Außerdem könne bei einem Bohrtunnel kein Schlamm an die Strände der Urlaubsregionen verdriften. Die Ökovariante Bohrtunnel habe aber dafür andere Nachteile. Er wäre breiter, aufwendiger und teurer.

Während auf dänischer Seite der dortige rechtsliberale ( "Venstre" ) Verkehrsminister Hans Christian Schmidt zur Zeit durch Lolland tourt, um die dänischen Bürger über die dänischen Planungen zu informieren und mit ihnen die verschiedenen Probleme zu diskutieren, tut sich auf der deutschen Seite kaum etwas. Sogar die dänische Planungsgesellschaft "Fehmern A/S" versuche alles Mögliche, um die Bürger zu beteiligen, so der Sprecher der Anti – Querungs – Initiativen, Malte Siegert. Deshalb bekommt sie auch ein dickes Lob sogar von den deutschen Kritikern.
Herr Ramsauer könnte sich von den Bemühungen seines dänischen Kollegen eine dicke Scheibe abschneiden und sollte sich schnellstens selbst auf den Weg nach Lübeck, Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Fehmarn machen. Aber immerhin hat er schon die richtige Parole ausgegeben, dass man es zukünftig besser machen wolle, als bei "Stuttgart 21".

Jetzt müssen nur noch Taten folgen. Also herzlich willkommen im Norden, Herr Ramsauer.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 11. April 2011 um 13:08 Uhr