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Kompass dringend gesucht! |
Dr.Klaus Wieser, Landesverband Hamburg 13.11.2009
Es beginnt wie im Märchen: „Es war einmal..“
Es war einmal eine große Volkspartei namens SPD, die es sogar zu einer Mitgliederzahl von mehr als einer Million schaffte und viele Jahre den Bundeskanzler in der Bundesrepublik Deutschland stellte – sowie noch mehr Jahre als Teil der Bundesregierung dieses Land maßgeblich prägte. Nicht genug: In vielen Bundesländern war sie jahrzehntelang Regierungspartei – und sie ist es noch in der Gegenwart. Noch mehr: In vielen deutschen Großstädten, Landkreisen und anderen Kommunen waren und sind ihre Repräsentanten bis in die Gegenwart „Regierungschefs“. Und da wird behauptet, dass diese Partei einen Kompass brauche?
Noch viel erstaunlicher ist aber, dass diese Partei es selbst meint. Unbegreiflich ! Man kann doch nur so denken, wenn man sich auf die dünne Schicht des Heutigen und auf die noch dünnere des klassifizierten Selbstverständnisses beschränkt.
Leisten wir uns etwas mehr als das. Jedoch gilt die Warnung: Ab hier ist das Weiterlesen komplizierter. Achtung! Gefahr ! Wir werden historisch!
Kindern unter 16 Jahren ist allerdings die weitere Lektüre gestattet.
Fangen wir mit der Behauptung an, dass es sich bei der SPD in Wirklichkeit um den losen Verbund zweier Parteien handelt – und schon immer gehandelt hat. Die ältere der beiden Parteien wurde 1863 als Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein ( ADAV ) von Ferdinand Lassalle gegründet. Ferdinand Lassalle, geboren am 11.04.1825 in Breslau, hatte zunächst die Handelsschule besucht und hatte dann ausgiebig an der Universität Breslau studiert, wurde Jurist und vertrat beispielsweise seine Klientin Sophie Gräfin von Hatzfeld erfolgreich zwischen 1846 bis 1854 vor 36 Gerichten. Er gehörte mit zu den Demokraten von 1848/49 und lernte Karl Marx persönlich kennen
Nach der Gründung des pragmatisch bürgerlichen Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins am 23.05.1863 wurde er für 5 Jahre zu dessen Präsidenten gewählt.
Ferdinand Lassalle, dieser jüdisch - deutsche Patriot, war gleichzeitig auch glühender Preuße und insofern davon überzeugt, dass nur ein demokratisches Preußen und Deutschland die entsetzliche Not der Arbeiter lindern könnten. Nicht gegen den Staat sondern mit ihm war seiner Ansicht nach das Los des einzelnen und war die Zukunft der Arbeiterklasse in Deutschland zu gestalten.
Das und sein bürgerlicher Lebensstil waren sicher etwas, was den tumben Sozialisten in der Gegenwart nicht gefallen würde. Noch weniger würde seine umfassende Bildung und seine Klugheit in die Gegenwart passen. Und noch schlimmer: Er paktierte zeitweilig sogar mit dem preußischen Konservativen Bismarck. Und das allerschlimmste: Er war Mitglied der Breslauer Burschenschaft der Raczeks. Er hätte nicht Mitglied der SPD in der Gegenwart sein dürfen.
Und schließlich ist er auch nicht den typischen Tod im Bett oder bei einer Demonstration zugunsten der Arbeiterklasse gestorben – sondern im Duell am 31. August 1864 in Carouge nahe Genf um eine schöne Frau.
Fürwahr, das war ein echter Arbeiterführer!
Gestorben auf dem Felde der Minne wie ein Adeliger im Mittelalter!
Sein marxistischer Kontrahent Ferdinand August Bebel wurde am 22.02.1840 in Deutz bei Köln geboren und starb am 13. August 1913 in Passug, Schweiz. Zunächst lernte August Bebel einen Handwerksberuf und versuchte, sich in traditionellen Bahnen dementsprechend selbständig zu machen. Seine Bildung erwarb er zu einem großen Teil in den von Liberalen gegründeten Bildungsvereinen. Schrittweise näherte sich Bebel besonders während seiner Zeit in Leipzig um 1865 dem Marxismus an, überwiegend indirekt vermittelt über Wilhelm Liebknecht.1866 trat Bebel der 1864 in London gegründeten sozialistischen internationalen Arbeiter Assoziation bei ( die Erste Internationale ).
Anders als der Hegelianer Ferdinand Lassalle, der dem Genossenschaftsgedanken zugetan war, wandte sich Bebel also dem Marxismus zu und gründete mit Wilhelm Liebknecht zusammen 1869 die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands. 1875 war er dann maßgeblich an der Vereinigung der eigenen „Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands“ mit dem „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ des Ferdinand Lassalle beteiligt. Aus diesem Zusammenschluss wurde über einige Namensänderungen hinweg dann die heutige SPD.
Die SPD ist also jünger als unsere Partei, obgleich sie sich immer wieder mit falschen Federn als älteste deutsche Partei schmückt.
Nach dem Zusammenschluss 1875 mit dem verwaisten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV ) des auf dem Felde der Minne gefallenen Arbeiterführers Lassalle zur SPD führte Bebel die neue Partei über viele Jahre zunächst im durch Bismarck geschaffenen Deutschen Reich und schließlich auch durch die harten Zeiten des Sozialistengesetzes.
Aber, obwohl er über viele Jahre als „Kaiser Bebel“ oder „Arbeiterkaiser“ das so genannte „marxistischen Zentrum der SPD“ repräsentierte, stand er immer zwischen einem linken und einem „revisionistischen“ Flügel der Partei.
Klingt sehr bekannt – auch in unseren Tagen?
Die folgenden Auseinandersetzungen zwischen den bürgerlichen/ „revisionistischen“ / realistisch denkenden Teilen der SPD und den linken Utopisten führte dann während und nach dem ersten Weltkrieg zur Spaltung. Der linke Teil der SPD ging als USPD ( Unabhängige Sozialdemokratische Partei ) mit den Linksextremisten vom Spartakusbund zusammen und gründete die Kommunistische Partei. Ein Teil der geläuterten Linksabweichler kehrte – auch angesichts der Schreckensherrschaft der Kommunisten in Russland - zur SPD zurück. Kommunisten und Sozialdemokraten lieferten sich einen erbitterten Kampf in der Weimarer Republik, der sicherlich auch dazu beitrug, dass die erste Demokratie auf deutschem Boden destabilisiert wurde. Bekanntlich waren die braunen Horden die Nutznießer des Bruderkriegs der Linken.
Daraus zog nach dem Zweiten Weltkrieg der erste Vorsitzende und Vordenker der westdeutschen Sozialdemokraten, Kurt Schumacher, die Konsequenzen, nannte die Kommunisten “rotlackierte Faschisten“ und lehnte jede Zusammenarbeit mit ihnen ab.
Bekanntlich wurden die Kommunisten als Partei später in der jungen Bundesrepublik verboten.
Im Osten gingen die Sowjetunion und die dort herrschenden deutschen Kommunisten einen anderen Weg: Die Sozialdemokraten wurden mit ihnen zwangsvereinigt zur SED.
Nach der Wiedervereinigung lehnte aufgrund dieses Traumas die Sozialdemokratie zunächst ab, mit den SED–Kommunisten ernsthaft zusammen zu arbeiten, geschweige denn, ehemalige SED-ler aufzunehmen.
Zunächst konnte man auch davon ausgehen, dass die SED/PDS aussterben würde. Aber dann waren es abtrünnige Sozialdemokraten, die der vergreisten, unattraktiven PDS neues Leben einhauchten. Sie machten aus der PDS „ Die Linken“ und damit zu einer radikalen Konkurrenz links von den Sozialdemokraten.
Das alte Trauma der SPD war wieder da.
Und nun – sind wir in der Gegenwart: Quo vadis SPD?
Jahrzehntelang waren die Sozialdemokraten die Partei des gesellschaftlichen Fortschritts, des gesamtgesellschaftlichen Kompromisses und der nationalen Verantwortung.
Wollen sie sich daraus lösen und eine Klientelpartei des unteren Teils der Gesellschaft werden?
Nur: Was unterscheidet sie dann noch von der Partei, die immer nur Freibier für ihr Klientel fordert. Von den Leuten, die Kurt Schumacher „rotlackierte Faschisten“ nannte ?
Welche Ehre gebührt eigentlich den Leuten, die sich bewusst in die Tradition der zusammen mit den Braunen scheußlichsten Massenmörder in der Geschichte stellen?
Gottseidank haben die Braunen nur 12 Jahre lang regiert – aber das reichte, die allerschlimmsten Verbrechen zu verüben. Die „rotlackierten Faschisten“ waren von 1917/18 an der Macht und sind es heute noch in China und Nordvietnam. Dazu kommen noch die Länder, in denen nahe Artverwandte die Macht innehaben. Wie viel Menschenleben mögen sie auf ihrem Gewissen haben – falls sie eines haben?
Eigentlich dürfte für die Sozialdemokraten die Kompassnadel nur eine eindeutige Richtung haben – nämlich weit weg von „links“ und in die Zukunft gerichtet. Was wir aber hören und an einigen Stellen in bestimmten Bundesländern auch sehen, ist das Gegenteil.
Gibt es eigentlich überhaupt dann noch eine Marktnische für diese
SPD ?
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 12. April 2011 um 12:13 Uhr |