Ist Euroland wirklich abgebrannt ?

                

Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg                           24.11.2010

Keine Frage – die MS "Euroland" befindet sich in einem schweren Sturm; es schlingert und stampft – aber es schwimmt, obgleich die Besatzung hart arbeiten muss, um es am Kentern zu hindern. Die Passagiere schauen interessiert drein; viele tun so, als wüssten sie es besser, andere haben Angst und noch andere nutzen diese zu ihrem eigenen Vorteil aus.

Wie sieht es wirklich mit Euroland aus ?
Die Europäische Union hat sich aus Zweckgemeinschaften von anfangs ökonomisch einigermaßen vergleichbaren Staaten entwickelt. Zu nennen sind 1951 die "Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl"( Montanunion ) und 1957 die sog. "Römischen Verträge" mit den Mitgliedern / Vertragspartnern Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Italien und Bundesrepublik Deutschland Die Geschäftsidee war am Anfang überwiegend politisch: Europa musste sich nach dem Zweiten Weltkrieg versöhnen und angesichts der Bedrohung aus dem Osten zusammenarbeiten. Das gemeinsame Wirtschaften – der gemeinsame Wiederaufbau und die gemeinsame Bewirtschaftung der anfangs besonders knappen Ressourcen – war zunächst mehr ein Mittel zu der übergeordneten politischen Zwecksetzung als ein eigenes Ziel. Das Ökonomische gewann in dem Maße an zusätzlichem Gewicht, wie die Idee der notwendigen Völkerversöhnung mit zunehmendem Abstand zu den Geschehnissen des entsetzlichen 2. Weltkrieges und der manifesten Bedrohung von außen schwand. Außerdem entstand die NATO, dem alle sechs Gründungsmitglieder angehörten, die ein Teil dieser Funktionen übernahm.
Zu den ursprünglich sechs Staaten kamen immer mehr hinzu und die Zielsetzung wurde noch mehr umgewichtet, so dass man heute pauschal die ökonomischen Zwecke mindestens gleichberechtigt neben der europaweiten Sicherung von Freiheit, Sicherheit und Recht als Ziel dieses nunmehr aus 27 Mitgliedern herangewachsenen Staatenbunds sehen kann. Er nennt sich über mehrere Zwischenstufen hinweg nunmehr "Europäischen Union".

Ganz wertfrei muss festgestellt werden, dass die meisten der später beigetretenen Mitglieder von vornherein nicht die hohen Ziele und die Werte jener Gründungsmitglieder teilten. Sie wollten hauptsächlich an den ökonomischen Erfolgen eines immer stärker prosperierenden Wirtschaftsverbund teilhaben. Böswillig gesagt: Sie wollten mehr oder weniger an dem schmarotzen, was die Gründerländer der jetzigen EU geschaffen hatten.
Wen wundert es, dass die gegenwärtigen Pleiteländer Griechenland ( Beitritt 1981) und Irland ( Beitritt 1973 ) , die hauptsächlich aus diesen Motiven Mitglied der EU geworden sind und dann unter das Dach des Euros schlüpften, diese Organisation von vornherein nur als Melkkuh sahen. Das wird genauso für Portugal und Spanien gelten, die erst 1986 Mitglied der EU wurden.

Wir wissen, dass die Mitgliedschaft Griechenlands in der EU und dann an der Gemeinschaftswährung Euro von vornherein auf Betrug aufgebaut war. Zunächst wurde immer wieder bei Zweifel an dessen Eignung für die EU und für den Euro auf den Gründungsmythos "Europa" hingewiesen. Besonders deutsche Zweifel wurden leicht mit der Schuldkeule "bereinigt". Noch heute wird gegen den deutschen Staat wegen angeblicher oder tatsächlicher Schäden, den die Deutsche Wehrmacht während des 2. Weltkrieges in Griechenland angerichtet hat, prozessiert und die Abneigung gegenüber Deutschem kochte immer wieder hoch. Man merkt das besonders in diesen Tagen, weil Deutschland nicht wie bisher bereit oder in der Lage war, für Griechenland tief in die Tasche zu greifen.

Ein etwas andere Fall ist Irland, das sich durch eine beispiellos leichtsinnige "Laissez- faire" Politik in diese Situation hineingeritten hat.
Irland hat auf eine andere Weise auf Kosten der anderen Europäer gelebt: Durch seine extrem niedrigen Unternehmenssteuern wurden die Firmenzentralen aus anderen Ländern gelockt, die dann für hohe Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen sorgten. Durch seinen Verzicht auf Regulierung und Kontrolle ergab sich für die verantwortungslosen bis kriminellen Zockern aus der Bankenszene ein wahres Paradies. Bekanntlich haben auch deutsche Banken an vorderster Reihe mitgespielt. (HRE / DEPFA usw. )
Am Ende waren die irischen Banken pleite und der irische Staat musste ihnen helfen und ist dadurch selbst am Ende.

Und damit sind wir bei den eigentlichen Nutznießern und Verstärkern der Probleme von Euroland: die Banken.
Natürlich hätten die zockenden Banken nicht die Möglichkeiten gehabt, ihr schmutziges Süppchen zu kochen, wenn die Staaten von Euroland ihnen nicht durch ihre verantwortungslose Haushaltspolitik dazu eine Steilvorlage geliefert hätten. Und dieses basiert nicht nur auf ihrer geringen Disziplin und ihrer zu großen Bereitschaft, den Ausgabenwünschen nachzugeben sondern auch auf einer andersartigen historischen Erfahrung. Deutschland hat zweimal die Folgen massiver Geldentwertung erleben müssen, deshalb war die Politik der Regierungen der Bundesrepublik Deutschland nach dem 2. Weltkrieg darauf gerichtet, den Wert der eigenen Währung zu erhalten. Bekanntlich haben von den Euroland – Europäern nur die Niederländer über lange Zeit einen vergleichbar stabilen Gulden erleben dürfen wie die Deutschen eine stabile Deutsche Mark.

Die gemeinsame Währung Euro ist ganz offensichtlich gefährdet, denn der Kampffond von 750 Milliarden Euro wird nicht ausreichen, zusätzlich zu Irland dann wohl Portugal und auch noch Spanien zu stützen.
Wenn ein derartiger Währungs - GAU eintritt, ist Europa wirklich am Ende – und damit wahrscheinlich auch unser Wohlstand. Denn 63 % unseres Exportes gingen 2009 in andere Mitgliedsstaaten der Europäischen Union; 71 % des Imports kamen aus diesen Ländern.
Allein der Zusammenbruch von Euroland und das Ersetzen des Euros durch nationale Währungen sowie die Abwicklung des bisherigen Systems würde nicht nur riesige Vermögen vernichten sondern auf Jahre hinaus alle bisherigen Mitglieder von Euroland schwer belasten. Bedenken Sie den wahrscheinlichen Zusammenbruch der Zockerbanken und die Folgen für die Guthaben der Deutschen; bedenken Sie auch den tsunamihaften Zustrom von ausländischen Kapital, die die neue Deutsche Mark exzessiv verteuern würde! Unser Handel würde massiv erschwert werden – außerdem gibt es noch die wahrscheinliche Unfähigkeit unserer bisherigen Handelspartner, die deutschen Güter zu bezahlen.

Wenn man alles durchdenkt, wird man feststellen müssen, dass wir Deutschen den Euro verteidigen müssen. Rachegefühle gegenüber betrügerischen Griechen und leichtsinnigen Iren, die den Euro, ein großes europäisches Projekt, fast gegen die Wand gefahren haben, sollten nicht zu sehr ins Kraut schießen. Denn wir selbst haben unsere "Hausaufgaben" nicht gemacht. Wir hätten noch mehr sparen müssen und können. Wie heißt es so schön in der Bibel, dass man zu sehr geneigt ist, den Splitter in des Nächsten Auge zu sehen aber nicht den Balken in seinem eigenen.
Aber: Euroland ist noch nicht abgebrannt – alle Europäer müssen sich jetzt zusammen reißen. Zu viel steht auf dem Spiel.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 12. April 2011 um 12:06 Uhr