Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg 07.11.2010
Zugegeben – das ist ein sperriger Titel; aber es ist nicht fair, allen Personalverantwortlichen einschließlich der Kleinunternehmer, die sich selbst um ihr Personal kümmern, pauschal Unfähigkeit und unethisches Verhalten vorzuwerfen. Es gibt Gott sei Dank hinreichend viele Ausnahmen von der Regel. Die Fakten lassen sich jedoch nicht beschönigen: Jahre- wenn nicht jahrzehntelang wurden ältere Arbeitnehmer gegen ihren Willen aus den Unternehmen gedrängt, weil sie den Unternehmen, die auf den schnellen Euro fixiert waren, zu teuer wurden. Mit ihnen ging nicht nur das jahrzehntelang angehäufte spezifische Fachwissen und die Erfahrung; mit ihnen wurde auch ihre Loyalität gegenüber dem Unternehmen entsorgt. Diese Fachkräfte fehlen nun in den Unternehmungen.Wir haben erleben müssen, dass jahrelang viele Jugendlichen die Schule verlassen haben und keinen Ausbildungsplatz erhalten haben. Sie haben sich häufig verzweifelt darum bemüht. In der Öffentlichkeit wurde immer wieder massiv darauf hingewiesen, dass nach diesen stark besetzten Jahrgänge andere kommen werden, so dass zukünftig nicht mehr genug junge Leute zur Verfügung stehen würden. Deshalb sei es zwingend geboten, über den aktuellen Bedarf hinaus auszubilden, um später damit die erwartete demografische Lücke füllen zu können. Alle intensive Bemühungen – auch der Kammern – haben nicht genug gefruchtet.
Natürlich gab es echte schwerwiegende aber meistens nur vorgeschobene Gründe für dieses Verhalten der Personalverantwortlichen. Lautstark wurde die jeweils aktuelle wirtschaftliche Lage beklagt, die keine Ausweitung der Ausbildung zuließ oder die angeblichen bzw. tatsächlichen Mängel in der Qualifikation der Bewerber.Als Begründung wurden fehlende oder miserable Schulabschlüsse, gepaart mit fehlender Leistungsmotivation, schlechten Umgangsformen und unzureichenden Sozialtugenden leider häufig genug zu Recht dafür angeführt. In vielen Fällen hätte sich das ändern lassen, wenn die Personalverantwortlichen nur bereit gewesen wären, sich entsprechend zu bemühen. Aber für sie war es bequemer, sich sozusagen den passgenauen Nachwuchs auf einem Silbertablett servieren zu lassen. Es ist leider häufig vorgekommen, dass man sich – so wurde immer wieder berichtet – in den Personalabteilungen noch nicht einmal die Mühe gemacht, sich die entsprechenden Bewerbungsunterlagen anzusehen. Nicht selten wurden diese Unterlagen nicht zurückgeschickt. Das Ablehnungsschreiben war im Regelfall sehr unpersönlich.
Jedoch sollten auch die unnötig hohen Ansprüche der Personalverantwortlichen an die Qualifikation der Jugendlichen in den Zeiten der "Bewerberschwemme" kritisch gesehen werden, um das immer wieder vorgetragene Argument der Unfähigkeit "der" Bewerber richtig einzuordnen Allen Lesern ist einsichtig, dass man an das Alter und damit an die fehlende Reife der Ausbildungsplatzbewerber erinnert. Viele – nicht nur die Kinder mit dem berühmten Immigrationshintergrund - hatten keine Unterstützung ihrer Eltern und der übrigen heimischen Umwelt; sie haben die Schule vorzeitig abgebrochen oder mit einem schlechten Ergebnis abgeschlossen. Danach hätten sehr viele von ihnen, endlich körperlich und seelisch gereift, bestimmt gern eine weitere Chance gehabt. Es hätte allerdings in dem einen oder anderen Fall etwas mehr Anstrengungen seitens des Ausbildungsbetriebes bedurft, um die entstandenen Lücken zu schließen.
Die nun entstandene Lücke zwischen vielen angebotenen Ausbildungsplätzen und der stark gesunkenen Bewerberzahlen könnte dadurch geschlossen werden, dass auf die sogenannten "Altbewerber" zurückgegriffen wird. Wenn bei vielen auch der "Zug abgefahren" sein mag, werden wohl genug dieser jungen Menschen gern bereit sein, eine erneute Chance zu nutzen. Es ist allerdings notwendig, aktiv auf diese jungen Menschen zuzugehen und nicht im eigenen Hamsterbau darauf zu warten, dass sie angerannt kommen. Unter den gegenwärtig über drei Millionen Arbeitslosen gibt es sicherlich viele, die gern wieder eine Arbeit aufnehmen würden, wenn ihnen dazu eine Chance gegeben würde. Es ist nicht glaubhaft, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, diese wieder in Arbeit zu bringen. Mitunter fehlt es nur an einer richtigen Betreuung der örtlichen Vertretung der Arbeitsagentur. Häufig genug muss die richtige Ausbildung nachgeholt werden, müssen entsprechende Umzugshilfen oder muss Hilfe für die Betreuung der Kinder usw. angeboten werden. Es werden immer horrende Zahlen von arbeitssuchenden – teilweise hochqualifizierten - Alleinerziehenden genannt, die allein deswegen, keine Arbeit annehmen können bzw. keinen Arbeitsplatz angeboten bekommen, weil ihr Nachwuchs nicht betreut ist. Wieso eigentlich richten die Unternehmen, die über einen Arbeitskräftemangel klagen, keine Betriebskindergärten ein ?
Wir wussten eigentlich schon immer, dass es unter den zugewanderten Immigranten viele Hochqualifizierten gab und gibt. Erstaunlich muss für alle aber sein, wie schwer sich in der Vergangenheit Deutschland getan hat und gegenwärtig weiter tut, deren Bildungsabschlüsse und gegebenenfalls deren im Beruf gewonnenen Qualifikationen anzuerkennen. Noch schlimmer ist , wenn man liest, wie groß die Zahl der Hochqualifizierten geschätzt wird, die teilweise erheblich unter ihrem Niveau arbeiten müssen. Die nicht ausreichende Anerkennung der ausländischer Bildungsabschlüsse durch den deutschen Staat und die fehlenden Vorkehrungen wie Lehrgänge, Ergänzungsstudiengänge und Vorschriften für die bürokratische Erledigung der Anerkennung und der Gleichstellung mit deutschen Abschlüssen sind das eine - aber der Wille der Unternehmen, sich auf die tatsächlichen Qualifikationen eines – sagen wir – Ingenieurs aus Madagaskar oder eines Biochemikers aus Kirgisien einzulassen, ist das andere. Wieso eigentlich haben sich die Personalverantwortlichen in den Unternehmen nicht die Mühe gemacht, diesen Schatz an Qualifikationen zu heben und gleichzeitig diese Menschen und die deutsche Gesellschaft zu bereichern ? Sie brauchen nur selten die formalen Abschlüsse; sie sind frei darin gewesen, die hochqualifizierten Immigranten einzustellen. Wieso haben sie es bisher nicht getan – wieso tun sie es jetzt nicht, obgleich es angeblich einen massiven Mangel an hochqualifizierten Arbeitskräften gibt? Dass in dieser Frage natürlich auch die bisher Verantwortlichen in den Bildungs-, Arbeits- und Wirtschaftsministerien von Bund und Ländern versagt haben, sei nur am Rande erwähnt. Welche Vorkehrungen werden eigentlich in den Unternehmen und von der Politik angesichts der zu erwartenden Welle von Bewerbungen angesichts der Freizügigkeit aller Arbeitnehmer in der EU Mitte nächsten Jahres getroffen ? Nach den Erfahrungen in der Vergangenheit muss man das Schlimmste befürchten.
Über den Skandal der unentgeltlich beschäftigten Praktikanten – nicht nur in der freien Wirtschaft – und den vielen Ausgebeuteten in festen Vollzeitanstellungen und in Teilzeit sowie den vielen befristeten Arbeitsverhältnissen soll hier nicht geschrieben werden. Nur ganz selten besteht dafür für den einzelnen Unternehmer oder eine Branche eine zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit. Wir haben es hier weitgehend – aber nicht nur - mit ethischen Fragen zu tun. Aber das hat auch eine wirtschaftlichen Dimension! Auf längere Dauer wird den Entscheidungsträgern dieses auf die Füße fallen.
Hierzu gehört auch folgendes: Wie soll ein hier ausgebildeter Hochqualifizierter, Kind aus einer Immigrantenfamilie, reagieren, wenn sie oder er auf ihre oder seine Bewerbung noch nicht einmal eine Antwort erhält oder eine fotokopierte Massenablehnung ? Die Antwort auf diese diskriminierenden Erfahrungen kann doch nur sein: Sie werden sich eine neue Heimat suchen – möglicherweise in der Türkei. Wieso vertreiben die Personalverantwortlichen diese Menschen aus dem Land, obgleich sie gleichzeitig über die Knappheit von Hochausgebildeten und deren Verstärkung in der Zukunft schwafeln? Und damit sind wir endgültig bei diesen Versagern unter den Personalverantwortlichen und ihren Lautsprechern an der Spitze der Wirtschaftsverbände – wie eingangs gesagt, mit vielen Ausnahmen. Diese haben zwar in der FDP, teilweise auch in der CDU, willige Vollstrecker; aber es gibt auch Gegenwehr. Diese richtet sich gegen eine Personalpolitik, die Schleusen für billige Arbeitskräfte aus dem Ausland öffnen will – angeblich für die Anwerbung von dringend gebrauchten Hochqualifizierten angesichts der demografischen Entwicklung.
Die Deutsche Zentrumspartei meint, dass wir bis auf wenige Ausnahmen keine Zuwanderung brauchen, sondern viel weniger Versager unter den Personalverantwortlichen. Das vorhandene Arbeitskräftepotential muss ausgeschöpft werden und die in naher Zukunft nach Deutschland einströmenden EU – Arbeitnehmer müssen entsprechend integriert werden. Vielleicht werden wir endlich eines Besseren belehrt, dass diese Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft endlich beginnen, ihre eigentlichen Aufgaben zu erfüllen.
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