Eugen Bolz Ein Rottenburger Zentrumspolitiker im Widerstand - Ein Kurzporträt:

 

Herbert Karl, Landesverband Baden-Württemberg,15.04.2011


Eugen Bolz wurde am 15. Dezember 1881 in Rottenburg am Neckar in einer katholischen Kaufmannsfamilie geboren. Noch während seines Jurastudiums schloß er sich dem Windthorstbund, der Jugendorganisation der Zentrumspartei, an. Nach Beendigung seines Studiums praktizierte Bolz kurze Zeit als Jurist, widmete sich dann aber voll der Politik: Zwischen 1912 und 1935 gehörte er der Reichstagsfraktion des Zentrums, zwischen 1913 und 1933 dem württembergischen Landtag an. Für Bolz war die katholische Soziallehre der Kirche die Grundlage seines politischen und öffentlichen Handelns.

Während der Weimarer Republik wurde er zu einem der bedeutendsten württembergischen Landespolitiker: Mit denkbar knapper Mehrheit wurde er 1928 von einer Mitte-Rechts-Koalition zum württembergischen Staatspräsidenten gewählt, behielt dabei aber noch den Posten des Innenministers inne.
Auf Reichsebene unterstützte Bolz die Politik des Reichskanzlers Heinrich Brüning, unterschätzte jedoch Ende 1932 die politischen Ziele der NSDAP und bezog erst Anfang 1933 deutlich Stellung gegen Hitler. Am 11. März 1933 wurde seine Regierung von den Nationalsozialisten abgesetzt, Bolz selbst wurde im Juni 1933 für mehrere Wochen in ein KZ eingewiesen, da er sich auch die persönliche Feindschaft mehrerer württembergischer Nationalsozialisten zugezogen hatte.

Nach seiner Entlassung war Bolz für mehrere Jahre in einem Wirtschaftsunternehmen tätig. In dieser Zeit stand er trotzdem in engem Kontakt zu seinen politischen Freunden aus dem in der Zwischenzeit aufgelöstem Zentrum, der verbotenen SPD sowie der früheren liberalen Deutschen Staatspartei.
Ab dem Winter 1941/42 kam Eugen Bolz mit dem Widerstandskreis um Carl Goerdeler in Kontakt: Er sollte nach dem Umsturz vom 20. Juli 1944 den Posten eines Reichsministers für Kultus erhalten. Bolz wird am 12. August 1944 verhaftet, am 21. Dezember 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee durch den Strang hingerichtet.