Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg, 23.04.2011
Der Milliarden - Poker um den Atomausstieg hat begonnen. Da urplötzlich die Bundesrepublik schnellstmöglich zur Ökostrom – Republik werden will und die 17 Atomkraftwerke so bald wie möglich vom Netz gehen sollen, kommt keiner von den Betroffenen ( und das sind wir alle ) umhin, sich Gedanken über die Kosten der Energiewende zu machen. Da bisher keine mit der Kernkraft vergleichbar leistungsfähige Technologie zur Verfügung steht, muss man die vorhandene mit Windrädern, Solarparks, Gaskraftwerken – gegebenenfalls mit modernen Kohlekraftwerken - und dazu mit vielen und großen Energiespeichern ausbauen.
Dazu bedarf es zusätzlicher Leitungen z.B. für die Anbindung der Offshore – Windparks. Nach einem Bericht des Hamburger Abendblattes vom 19.04.2011 habe der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, von notwendigen 80 Milliarden Euro in den nächsten 10 Jahren gesprochen.
Zu den Kosten des Ausbaus der vorhandenen zur Gewinnung von Energie – besonders von Strom - aus erneuerbaren Quellen kommen noch die Ausgaben für die Entwicklung weiterer Technologien. Dazu müssen noch verschiedene Subventionen gerechnet werden, beispielsweise für die Gebäudesanierung und zur Sicherung der Industrien, deren Existenz von dem Vorhandensein kostengünstiger Energie in großen Mengen abhängt.
Zusätzlich zu diesen Kosten kommen auch noch die Einnahmeausfälle des Staates bei Wegfall der Kernenergie, beispielsweise der Brennelementesteuer oder Zahlungen in den Fond für die Förderung erneuerbarer Energien oder schlicht der Gewinnsteuern für die Produktion von Strom durch abgeschriebenen Kernkraftwerke – usw.
Das Ganze wird wahnsinnig teuer werden. Aber wie teuer – weiß man nicht.
Und da ist es auch ganz natürlich, dass unterschiedliche Vorstellungen über die Höhe der Kosten kursieren, die auf die Verbraucher zukommen. Lieschen Müller schätzte bei einer Straßenbefragung in Klein – Schmotzhausen für eine der populären Palaverrunden des Fernsehens diese Kosten auf 100 Milliarden Euro – hatte allerdings keine Vorstellung darüber, wie viele Nullen denn zu diesen 100 Milliarden gehören. Und die alte Frau Gissamer meint, aus ihrem Kaffeesatz eine Billion Euro Aufwand für die Energiewende gelesen zu haben. Beide sollten den beiden Arbeitskreisen ihre Erkenntnisse zur Verfügung stellen, die von der Bundesregierung in ihrer Hilflosigkeit einberufen wurden.
Sie kennen ja den Spruch: "Wenn Du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis!" Bei der Gründung von zwei Arbeitskreisen muss die Ratlosigkeit besonders hoch sein – oder aber das Gefühl, durch viel Aktivität bisherige Fehlentscheidungen so intensiv wie möglich bemänteln zu müssen.
Klar ist, dass die Energiewende umso weniger per Saldo kostet, je länger sie aktiv herausgeschoben wird, je besser sie organisiert wird und je sanfter sie verläuft sowie je mehr sie in Übereinstimmung mit den Bürgern vorbereitet und durchgeführt wird, um den regionalen Widerstand gegen einzelne Projekte zu vermindern. Dass mit viel Gegenwind im Einzelfall zu rechnen ist, erscheint nach den bisherigen Erfahrungen klar. Vielleicht gibt es weniger destruktiven Widerstand, der bisher zu hohen Kosten durch Demonstrationen, Blockaden, Zerstörungen usw. führte, wenn man die Wutbürger durch entsprechende Gesten beschwichtigt.
Wir von der Deutschen Zentrumspartei dürfen angesichts der frohen Botschaft zu Ostern hoffen, dass den Verantwortlichen viel Sinnvolles einfällt und dass sie damit so viele Menschen wie möglich hinter sich versammeln können.