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Das ethische und politische Dilemma um den Tod von Osama Bin Ladens |
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Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg, 04.05.2011
Nach christlich - abendländischer Anschauung dürfte der Tod eines Menschen niemals Anlass zur Freude sein. Insofern ist den beiden Kirchen beizupflichten, die die Bundeskanzlerin rügten, weil sie am Montag gesagt hatte: " Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten!" Andererseits zeigt das beispielhaft, wie schwierig doch das Leben nach christlichen Geboten ist, da fast alle von uns zu leicht das Gefühl von Genugtuung befiel, als wir erfuhren, dass jemand, der Gewalt in diesem Ausmaß gesät hat, durch Gewalt umgekommen war.
Auch in der säkularen Form christlich – abendländischer Gesinnung ist die Tötung sogar der schlimmsten Verbrecher verboten. Die Todesstrafe ist in den meisten Ländern mit mehrheitlich christlicher Bevölkerung abgeschafft. In Deutschland bekommen sogar Mehrfachmörder noch eine Chance; nur in besonderen Fällen wird zusätzlich zur Verurteilung zur lebenslänglichen Haft auch noch die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Sonst bedeutet "Lebenslänglich" bei uns nur etwa 15 Jahre Haft. Dieses im Einzelfall als zu milde empfundene Strafmaß wird häufig nicht nur von den Angehörigen der Opfer und von der veröffentlichten Meinung sowie dem berühmten "Mann auf der Straße" in Deutschland angeprangert. Das gilt nicht nur, weil damit dem Gedanken einer "gerechten Strafe" nicht entsprochen wird, sondern auch, weil man wohl zu Recht meint, dass man an eine Prävention durch Abschreckung nicht gedacht hat.
Das politische Dilemma des Todes von Bin Laden durch amerikanische Soldaten hat viele Fassetten.
Zunächst gibt es keine konkreten Hinweise sondern nur Spekulationen, wie sich der Tod des Oberterroristen auf den internationalen Terrorismus im Namen Allahs und seines Propheten auswirken wird. Mehrheitlich scheint die Meinung vorzuherrschen, dass es eher schlimmer werden könnte, weil schon lange Al Quaida dezentralisiert sei . Eine Schwächung von Al Quaida, von der generell ausgegangen wird, bedeutet deshalb wohl kaum eine Verringerung des internationalen Terrorismus. Andere Meinungen betreffen die Wirkung auf die islamistisch und antiamerikanischen ausgerichteten Bevölkerungsgruppen besonders in den islamischen Staaten. Man geht davon aus, dass bei ihnen Rachegelüste überborden könnten – mit entsprechenden Gewalttaten gegen Amerikaner und amerikanischen Institutionen oder Verkehrsmitteln.
Eine ganz andere Fassette betrifft den Staat Pakistan. Es gibt wohl kaum Zweifel daran, dass Staatsorgane und andere Mächtige in diesem von den europäischen Staaten sowie den USA bisher gehätschelte Staat davon wussten, dass der gefürchtete Oberterrorist in der Stadt Abbottabad jahrelang lebte. Und das mitten unter pakistanischen Militärs ! Da es schon seit Jahren immer mehr Hinweise dafür gibt, dass der pakistanische Staat die Rekrutierung, ideologische Ausrichtung und militärische Ausbildung der Taliban auf seinem Territorium duldete, dass das pakistanisch – afghanische Grenzgebiet ( "Waristan" ) zum Rückzugsgebiet für die Taliban wurde und das auch deren Waffennachschub über Pakistan kam, hatten die Amerikaner folgerichtig in diesem Land nach diesem Ungeheuer gesucht und waren schließlich fündig geworden. Höchstwahrscheinlich wird Pakistan endgültig zu dem erklärt werden, was dieser Staat wohl schon immer war: ein Schurkenstaat.
Man bedenke, dass sich dieser künstlich geschaffene Staat aus der Erbmasse des britischen Kolonialreiches von Anfang an mit Indien in einem Kriegszustand befand. Dass immer wieder von Pakistan Terror in Indien ausging, dass sich Bangla - Desh abspaltete, weil es von dem Westteil – dem eigentlichen Pakistan – sozusagen als Kolonie ausgebeutet wurde, dass sich Pakistan als islamischer Staat verstand und verhielt, beispielsweise, indem der einzige Christ in Pakistans Kabinett Minister Shahbaz Bhatti, ermordet wurde, gehörte und gehört offenbar zu den "Alleinstellungsmerkmalen" dieses Staatsgebildes. ( Hierzu vergleiche auch den Beitrag vom 06.03.2011: "Welche Islam gehört zwischenzeitlich auch zu Deutschland, Herr Bundespräsident ?")
Pakistan hat im hohen Maße ausländische – darunter deutsche – Entwicklungshilfe erhalten, die aber zu einem hohen Grad offensichtlich von den Mächtigen "privatisiert" wurde. Außerdem wurde viel von den ausländischen Zuwendungen in die Rüstung gesteckt. Angesichts dieser Umstände wird es sinnvoll sein, zukünftig besonders vorsichtig mit diesem Staat umzugehen und Entwicklungshilfe nur projektbezogen und genauestens kontrolliert zu leisten.
Der Tod des Osama Bin Ladens dürfte noch zu weiteren Konsequenzen führen. Vielleicht hat er zwischenzeitlich auch in Tripolis neue Überlegungen angeregt?!
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