Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg, 06.05.2011
Das wäre aber auch komisch gewesen, wenn die mächtige europäische Atomlobby es zugelassen hätte, dass aufgrund des geplanten Stresstests die Unsicherheit der 146 europäischen Atommeiler bei außergewöhnlichen Belastungen zu Tage getreten wäre. Dass ursprünglich die 27 europäischen Staats- und Regierungschefs sich auf ihrem Gipfel Ende März darauf geeinigt hatten, alle europäischen Kernkraftwerke daraufhin zu überprüfen, ob sie den gleichen oder vergleichbaren Anforderungen standhalten würden, wie sie aufgrund der Fukushima – Katastrophe offenbar wurden, wird von diesen Herrschaften sicher als eine Kriegserklärung angesehen worden sein.
Das erste Ergebnis der Verteidigung – sozusagen der äußere Verteidigungsring - wird schon sichtbar: Aus der EU – Kommission dringen Gerüchte, dass Frankreich und Großbritannien auf abgeschwächte Tests dringen. Kein Wunder, denn diese Länder betreiben die meisten Kernkraftwerke in Europa.
Von der Vereinigung der westeuropäischen Aufsichtsbehörden, war vorgeschlagen worden, die Atommeiler daraufhin zu überprüfen, ob sie Naturkatastrophen wie Erdbeben, Flutwellen oder extremen Temperaturschwankungen standhalten würden. Zudem sollte getestet werden, ob die Stromversorgung sowie die Kühlung nach Terrorangriffen sowie Flugzeugabstürzen auf das Kernkraftwerk, aufgrund menschlicher Bedienfehler oder anderer unverhoffter Notfallsituationen sicher funktionieren.
Bei diesen Vereinbarungen hatte man für alle Kernkraftwerke Pflichttests - bezogen auf einen Teil der Risiken - und freiwillige Tests für alle übrigen denkbaren Risiken vereinbart.
England und Frankreich haben signalisiert, dass sie nur den abgeschwächten Tests zustimmen würden. Man könnte sich vorstellen, dass das Kernkraftwerk Fessenheim am Rhein, wenige Meter von der Grenze zu Deutschland entfernt, daraufhin getestet würde, ob es einem Tsunami standhalten würde. Vielleicht könnte man die schwedischen, finnischen und britischen Kraftwerke daraufhin testen, wie es mit ihrer Sicherheit gegenüber einem Erdbeben – sagen wir von 2,3 auf der Richterskala – aussieht.
Da besonders Frankreich und Großbritannien gegenüber möglichen Terrorakten absolut sicher sind, kann man natürlich auf Tests gegenüber Terrorangriffen von islamistischen Selbstmordattentätern verzichten, die zum höheren Lobe Allahs und seines Propheten sich und einen Atommeiler mit einer Bombe oder einem umfunktionierten Passagierflugzeug in die Luft sprengen möchten – oder ?
Es ist unbegreiflich, wie man überhaupt die Meinung vertreten kann, man brauche keine weitgehende Stresstests – erst Recht nicht nach den Erfahrungen in Japan. Dass Deutschland zuvörderst aus Sicherheitsgründen ganz auf Atommeiler verzichten will, lässt offensichtlich unsere EU – Partner kalt, denn schließlich sind deren Atomkraftwerke – zumindest ihrer Ansicht nach – sehr viel sicherer als die deutschen. Oder man ist risikobereiter. Dafür spricht allerdings nicht viel, denn die meisten Kernkraftwerke stehen an den Landesgrenzen ( z.B. in Fessenheim ) und nicht in den Vororten von Paris und London, obgleich dort am meisten Strom verbraucht wird.
Also wird man nicht lange suchen müssen, um diejenigen zu identifizieren, die bei der Entscheidungsfindung die -träger in Paris und London beraten haben.Man darf gespannt sein, wie sich diese Angelegenheit in den nächsten Monaten entwickelt.Dann kann man endgültig die Stärke der Atomlobby ermessen.