Schlechtes Krisenmanagement der Verantwortlichen bei der Ehec/HUS – Pandemie

Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg, 10.06.2011

Wir werden immer schlauer: Wir können fehlerfrei "Ehec" aussprechen - etwas schwieriger ist es wohl mit "Enterohämorrhagische Escherichia coli". Wir wissen auch, dass es sich hier um einen alten Bekannten handelt, denn in einer Tabelle im Spiegel 23 vom 6.6.2011 wird eine Auswahl von Ehec – Ausbrüchen, "bei denen der Übertragungsweg ausgemacht wurde", wiedergegeben. An die Nachrichten von dem einen oder dem anderen dieser Geschehnisse erinnern wir uns wahrscheinlich vage.
Und wir wissen, dass die HUS – Variante ( Hämolytisch-urämische Syndrom ( Abkürzung: HUS ), auch Gasser-Syndrom, nach einer Ehec Erkrankung besonders tückisch ist.
Nur – was hilft diese Erkenntnis den schon über 30 Toten ?

Wir dürfen nur hoffen, dass zukünftig weniger Menschen leiden müssen, wenn wieder einmal eine derartige Pandemie uns verwöhnten Europäern zusetzt. Denn, auch das müssten wir endgültig begriffen haben: Wir werden uns angesichts der Fülle von möglichen Krankheitskeimen, der fantastischen Anpassungsfähigkeit von Bakterien, Viren und Konsorten sowie der hohen Mobilität von Menschen und Produkten, die dafür sorgt, dass alles rasend schnell von A nach B gelangen kann, uns auf Wiederholungen dieser Ereignisse einstellen müssen.
Wir sollten deshalb darauf dringen, dass die Verantwortlichen unverzüglich alle Hemmnisse in der Kommunikation untereinander und in der schnellen und widerspruchslosen Information der Öffentlichkeit beseitigen. Vielleicht sollte man auch das politische Personal in das kleine Einmaleins des Umgangs mit brisanten Informationen einweihen.

Als schlimmes Beispiel eines derartigen Analphabetismus ist die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia – Prüfer – Storcks ( SPD ) zu nennen, die unbedingt meinte, auch die Herkunft der zunächst verdächtigten Gurken nennen zu müssen. Dass sie auch noch glaubte, zusätzlich Unternehmensnamen angeben zu dürfen, war besonders dilettantisch und gegenüber dem Gurkenproduzenten verantwortungslos.
Die Hamburger hatten sich nach der Wahl ein "gutes Regieren" unter dem Bürgermeister Olaf Scholz doch anders vorgestellt.
Vielleicht sollte sich die Gesundheitssenatorin einmal bei ihren Verwaltungslehrlingen informieren, was diese zwischenzeitlich unter einem verantwortlichen Umgang mit brisanten Daten gelernt haben. Wahrscheinlich wird sie belehrt werden, dass Unternehmen unter diesen Umständen und nicht so an den Pranger gestellt werden dürfen. Besonderes Pech für die Senatorin, dass die spanischen Gurken – wenn auch nur mangels Beweisen – zwischenzeitlich freigesprochen wurden!
Der entsprechende spanische Gurkenunternehmer will gegebenenfalls auf Schadenersatz klagen. Ob er damit gut beraten ist, sollen seine deutschen Rechtsanwälte beurteilen!

Makaber ist bei den Vorkommnissen der letzten Wochen, dass diejenigen besonders von den Auswirkungen dieser Pandemie betroffen wurden, die meinten, durch den Verzehr von Salat Besonderes für ihre Gesundheit getan zu haben. Pikant ist außerdem, dass es sich bei dem Hersteller der Sprossen, die nach dem Freispruch 2. Klasse für Gurken, Tomaten und Salat, als die ( vorläufig! ) sichere Hauptursache für die Ehec/HUS Infektionen gelten, um einen Biohof gehandelt hat.
Es ist nicht ganz auszuschließen, das sich der eine oder andere "Kollege" aus der konventionellen Landwirtschaft dieses mit "klammheimlicher" Freude sieht.

Es ist ein großer Schaden entstanden:
Einmal den direkt oder indirekt Betroffenen – denn wer wagte es bis gestern Abend, sich einen knackigen Bauernsalat mit Blattsalat, Tomaten oder Gurken einzuverleiben ?
Zum anderen hat auch der deutsche Ruf ( wieder einmal ) im Ausland gelitten, denn wer hätte geglaubt, dass sich ausgerechnet die Deutschen einen derartigen Organisations- und Informationsgau leisteten?!
Und schließlich hat auch der Glaube der Deutschen ( auch: wieder einmal! ) an der Effizienz deutscher Behörden zur Sicherung der Bürger gegenüber pandemischen Gefahren getrübt. Wieso eigentlich – so fragt sich der braven deutsche Steuerzahler – leisten wir uns soviel geschwätzige, wichtigtuerische Flaschen ? Warum setzt sich wegen oder trotz der Tücken des Föderalismus niemand den Hut auf und koordiniert alles? Es geht in einer derartigen Situation um Schnelligkeit !
Wir von der Deutschen Zentrumspartei sind der Ansicht, dass es sowohl die schwarze CSU - Dame aus Bayern, verantwortlich für den Verbraucherschutz, oder der eloquente Herr mit der gelben Weste der FDP - zwar frisch im Amt, aber nicht ahnungslos - sein dürften.

Es müsste aber nur einer sein, der sich auskennt.
Was eigentlich muten die Herrschaften in Berlin dem deutschen Steuerzahler und Verbraucher mit ihrem Dilettantismus noch alles zu ?

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 12. Juni 2011 um 11:37 Uhr