Wieso haben wir in Deutschland soviel Versager unter den Personalverantwortlichen 3 ?

Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg, 06.07.2011

Es war wirklich ein Leichtes, die Situation vorauszusagen, die wir jetzt zunehmend auf dem Arbeitsmarkt antreffen: Es beginnt sich angeblich eine Personalknappheit auszubreiten, die ( wiederum: angeblich ) schon der deutschen Volkswirtschaft Wachstumschancen gekostet habe. Das Einzige, was man nicht prognostizieren konnte, war der Zeitpunkt, zu dem dieses eintreten würde. Es ging bekanntlich alles viel schneller mit der Erholung der Wirtschaft als gedacht.
Dagegen war es genau so leicht, das Lamento vorauszusehen, das die Unternehmer und die anderen Personalverantwortlichen anstimmen würden, und es war ebenfalls sicher, was sie fordern würden.

Begrenzen wir uns hier auf einen Aspekt, nämlich die Ausbildung des Nachwuchses im "Dualen System".

Zu den Fakten:
Nach Angaben des Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages ( DIHK) Hans Heinrich Driftmann ( auch Chef des Haferflockenherstellers Kölln in Elmshorn ) sind bundesweit zur Zeit noch 55.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. In einigen Städten wie beispielsweise in Hamburg, Stuttgart, Hannover, Berlin, Dresden und Erfurt würden mehr als 1.000 offene Stellen gemeldet. Zu diesen offenen Stellen im Zuständigkeitsbereich der DIHK kommen noch die im Handwerk, in den Gesundheitsberufen, in den Verwaltungen usw.
Zwischenzeitlich haben die armen Personalverantwortlichen sogar ihre Anforderungen zurück schrauben müssen. So beklagt eine Personalverantwortliche lautstark, dass sie beide Augen bei der Einstellung zudrücken müsse. Um überhaupt die Lehrstellen für Fachkräfte in der Lagerlogistik besetzen zu können, habe sie mittlerweile sogar Hauptschüler mit einer "drei" oder – pfui Teufel ! - einer "vier" in Deutsch und Mathematik einstellen müssen.

Tja – die Zeiten sind für die Personalverantwortlichen schwer geworden: Jetzt werden ihnen die Ausbildungsbewerber nicht mehr auf einem Tablett serviert. Sie müssen sich etwas mehr bemühen: Sowohl zu werben als auch dann richtig auszubilden.
( Zu dieser Problematik siehe auch: "Wieso haben wir in Deutschland soviel Versager unter den Personalverantwortlichen 1" , vom 07.11.2010 )

Die Klage über die geringe Ernsthaftigkeit der jungen Menschen, die die Schule verließen, ohne sich Gedanken über ihren Berufsweg zu machen, oder die es auch nicht für nötig hielten, sich über das Unternehmen zu informieren, bei dem sie sich ausbilden lassen wollen, ist schon sehr alt – wird aber immer wieder gern recycelt. Dazu gehören auch die bekannten Klagen über die mangelnde Arbeitsmotivation, schlechte Allgemeinbildung, miserablen Umgangsformen und Unfähigkeit, im gewissen Maße Frustration durch die und in der Arbeit zu ertragen.

Die Gewerkschaften sehen dieses aber ganz anders: Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB – Vorsitzende wies darauf hin, dass im vergangenen Jahr mehr als 80.000 Bewerber keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, obwohl die Bundesagentur für Arbeit sie für ausbildungsreif hält. Sie stellte ferner klar, dass sich zurzeit 320.000 junge Leute in der Warteschleife befänden, bzw. sie absolvierten Praktika und Berufsvorbereitungskurse. Sie meint, dass es sich viele Firmen zu einfach machten. Sie konzentrierten sich nur auf die Besten – alle anderen machten den Personalverantwortlichen nur zusätzliche Arbeit und kosteten deshalb mehr..

Die Deutsche Zentrumspartei mag nicht einsehen, dass junge Menschen, die sich in der allgemeinbildenden Schule nicht so leistungsfähig gezeigt haben, angeblich auch für eine Berufsausbildung im traditionellen Dualen System nur eine mangelnde Eignung zeigten.
Sehr häufig ist genau das Gegenteil der Fall.

Die Ausbilder brauchen sich nur die Mühe machen, die spezifischen Qualifikationen der jungen Menschen herauszufinden und diese dann behutsam zu entwickeln.
Dazu wird immer wieder die Rolle der Berufsschulen unterbewertet, die in der Regel fast routinemäßig Mängel in der Allgemeinbildung mit ausgleichen - bzw. mindern helfen. Über das "normale Maß" hinausgehende Defizite im Rechnen, Lesen, Schreiben usw. könnten durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Ausbilder mit der Berufsschule relativ leicht bewältigt werden. Entsprechende Kompetenzen zur Vermittlung von allgemeinbildenden Qualifikationen sind dort reichlich vorhanden.

Alles das ist natürlich unbequemer und fordernder als in den bisherigen "goldenen Zeiten", in denen viel mehr Ausbildungsbewerber um die Ausbildungsplätze kämpften. Vielleicht aber werden die Personalverantwortlichen bzw. Ausbildungsverantwortlichen von der gegenwärtigen Klientel überfordert ?

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 07. Juli 2011 um 08:57 Uhr