Schade – Missbrauch der Massenmorde in Norwegen

Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg, 01.08.2011

Man hätte meinen können, dass unsere Politiker und ihnen nahestehende Journalisten etwas mehr Anstand besitzen, dass sie nicht das schlimme Verbrechen in Oslo und Utöya für Diffamierungskampagnen benutzen. Einige – besonders aus dem linken Spektrum - konnten es doch nicht lassen. Es waren natürlich immer die Gleichen, die auffielen – meistens aus dem Dunstkreis der Sozialdemokraten und Grünen.

In Analogie zu den vielen Wegbereitern und Brandstiftern, die der braunen Diktatur in der Weimarer Zeit den Weg bereitet hatten, schufen nicht wenige von ihnen einen Zusammenhang zwischen den intellektuellen und politischen Islamkritikern hin zu dem norwegischen Massenmörder. Das von ihnen verspritzte intellektuelle Gift sei es, was dann diesen jungen Mann radikalisiert und schließlich zu dieser Tat getrieben hätte.

Vorsicht!

Dieser von ihnen geschaffene teilweise halsbrecherische Zusammenhang könnte zunächst einmal auch auf diese linken Gesellungen zurückfallen. Nehmen wir beispielhaft einmal die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Ohne große Schwierigkeit könnte man nämlich einen Zusammenhang zwischen vielen Vordenkern der Sozialdemokratie, beispielsweise von Wilhelm Liebknecht und August Bebel, den Säulenheiligen der Sozialdemokratie einerseits, mit den Untaten Lenins, Stalins, der Roten Khmer in Kambodscha, dem Regime in Nordkorea usw. andererseits konstruieren, denn stets wurde von einer neuen Welt und von einem neuen Menschen gesprochen, nachdem die alte zusammengebrochen oder gegebenenfalls mit Gewalt und Massenmord beseitigt wurde.
Offensichtlich wird mit Recht niemand hier einen derartigen Zusammenhang konstruieren und akzeptieren wollen.

Dass diese "politisch Korrekten" schon wiederholt mit derartigem "Dummsprech" aufgefallen sind, ist nur noch eine zusätzliche Petitesse. Man darf an deren "Beurteilung" des Buches von Thilo Sarrazin erinnern, über das viele schon ein "Urteil" parat hatten, bevor sie es gelesen hatten. Ihnen konnte natürlich nicht gefallen, dass Thilo Sarrazin den Finger in eine Wunde gelegt hatte und insofern nur Bote schlechter Nachrichten war. Das war eine schlimme Aufgabe, für die man früher nicht selten hingerichtet wurde.

Im Fall Sarrazin ist ihnen ein "Kopf ab!" nicht ganz geglückt – obgleich sie sich sehr angestrengt hatten. Das ist ein schlechtes Bild, da Sarrazins Ausführungen erhebliche argumentative Mängel aufwiesen! Allerdings wäre es diesen Gutmenschen intellektuell nicht leicht gefallen, sich mit Herrn Sarrazin und seinen Statistiken auseinander zu setzen.
Dass die vielen anderen - geistig noch viel anspruchsloseren - Multi -Kulti – Büchsenspanner noch unappetitlicher mit Unrat warfen und werfen, kann man natürlich wiederum den "politisch Korrekten" Vordenkern, die sich geoutet hatten, nicht anlasten. Sie würden sich in einer derartigen Gesellschaft wohl selbst nicht wohlfühlen.

Weit oberhalb der Ebene, auf denen sich die deutschen linken politisch korrekten Gutmenschen tummeln, ist die Qualität und die Herzenswärme der Reden anzusiedeln, die der norwegische Ministerpräsident Stoltenberg und der norwegische König – bzw. die Mitglieder des Königshauses - etwa zur gleichen Zeit hielten. An die Stelle der Suche nach intellektuellen Mitschuldigen dieses Massenmordes setzten sie das Bekenntnis zu Norwegen als einer offenen Demokratie und warmherzigen Gemeinschaft unter Einbeziehung aller Menschen guten Willens. Das umfasste wie selbstverständlich auch die nichtchristlichen Zugewanderten, die sich allerdings in die norwegische Gesellschaft erheblich besser integriert haben, als dieses vergleichsweise in Deutschland der Fall ist. Und alle haben damit genau das Gegenteil von dem getan, was dieser wahnsinnige Massenmörder bezweckte: Sie haben sich nicht auseinander dividieren lassen, sondern sie sind zusammengerückt.

Soweit man die norwegische Presse von hier aus überblicken kann, gab es auch keine Hetzjagd auf die norwegische "Fortschrittspartei", die als rechtspopulistisch gilt und in der der Massenmörder Anders Behring Breivig vorübergehend sogar Mitglied war. Wäre alles das nicht in Oslo und in Utöya sondern in Deutschland geschehen, hätte die vielen politisch korrekten linken "Gutmenschen" in Deutschland eine flächendeckende Hetzjagd auf alle anderen veranstaltet.
Die Meinungsfreiheit ist hier – wohl nicht zuletzt aufgrund der deutschen Erfahrungen mit Nationalsozialisten und Kommunisten, in deren Herrschaftsbereich ein falsches Wort tödlich enden konnte, immer noch nicht selbstverständlich.

Diese politisch korrekten Gutmenschen hätten damit den Angehörigen, Freunden, Nachbarn, Kollegen usw. der vielen jungen Opfer eher noch zusätzliche Wunden zugefügt. Ganz anders war das, was uns die einfachen Menschen in Norwegen an Trauer und menschlicher Zuwendung für die Opfer zeigten. Das war bewegend und wirklich christlich. Und dieses Mitgefühl macht die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer stark. Die Deutsche Zentrumspartei wünscht sich Politiker, die wie ihre Kollegen in Norwegen in diesen Tagen nicht nur die richtigen Worte finden, sondern die in ihrer Mittrauer mit den Opfern wirklich glaubwürdig sind. Wir haben leider wieder einmal erleben müssen, wie jämmerlich sich viele unserer Politiker und ihnen zuzuordnenden Journalisten verhalten haben.