Hochbezahlte Fluglotsen wollten Urlauber als Geiseln nehmen für noch mehr Geld und noch mehr Privilegien

Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg, 09.08.2011

Liebe Leser: Was verdienen Sie ? Man darf für Sie hoffen, dass es auch zwischen 72.000 und 130.000 Euro jährlich sind wie bei den etwa 1.850 Fluglotsen - durchschnittlich etwa 101.000 Euro jährlich. Dazu darf man Ihnen auch noch die vielen Extras wünschen wie: die Pensionierung mit 55 Jahren, Wochenarbeitszeit maximal 32-37 Stunden, Regenerationsaufenthalte usw. usw.
Natürlich werden jetzt die Vertreter dieser exklusiven Berufsgruppe der Fluglotsen, und besonders natürlich die Mitglieder der Gewerkschaft der Flugsicherung e.V.( GdF) , auf die Palme klettern und diese Fragestellung als eine böswillige Neiddebatte abtun. Nun ja – deren Turnübung lässt sich gut ertragen, weil es in Wirklichkeit nicht um den Kampf für eine einigermaßen akzeptable Höhe der Fluglotsengehälter geht, sondern um die weitere Erhöhung von Supergehältern und um weitere Privilegien. Man kann deshalb einen möglichen Streik nur als eine frevelhafte Rücksichtslosigkeit sehen, als eine pseudolegale Geiselname vieler Tausender von Fluggästen - die meisten von ihnen Urlauber.
Diese Geiseln haben meistens ein sehr viel geringeres Gehalt und sehr viel weniger Privilegien. Sehr viele arbeiten trotzdem ebenso konzentriert wie die Fluglotsen. Und viele haben eine längere und einige bestimmt eine sehr viel härtere Ausbildung hinter sich, aber sie bekommen dafür nur einen Bruchteil von deren Einkommen und nichts von deren Privilegien.
Bei einem Streik der Fluglotsen würden sie mit ihren Familien möglicherweise mit kleinen Kindern von diesen Herrschaften in irgendeinem Flughafen festgehalten, viele Stunden – möglicherweise auch Tage.

Um was geht es eigentlich?
Die Fluglotsen haben 6,5 % Lohnsteigerung verlangt, die Deutsche Flugsicherung ( DFS) – also der Arbeitgeber - hat eine schrittweise Erhöhung auf 5,2 % bis Oktober 2013 geboten.
In welcher Branche gibt es schon ein derartig leckeres Angebot der Arbeitgeber ?
Aber darum geht es der Gewerkschaft der Fluglotsen nicht, wie sie selbst immer wieder sagt.

Sie fordert zunächst mehr Personal, damit die vielen Überstunden abgebaut werden können, die sich durch die Personalknappheit aufgetürmt haben. Zur Zeit sind es je Fluglotse angeblich durchschnittlich über 150 Überstunden. Der Grund dafür ist nach Auskunft der Gewerkschaften der Einstellungsstopp im Jahre 2006, als die Flugsicherung privatisiert werden sollte und für die sie sich damals "hübsch" machen wollte und sollte. Dazu kam es dann nicht. Die Korrektur der damaligen Fehlentscheidungen ist noch nicht ganz abgeschlossen, weil die Ausbildung – wie gesagt - 3 Jahre dauert, so dass noch etwa 400 Fluglotsen ( die Angaben schwanken ! ) fehlen. Das Ruder wurde vor etwa 2 Jahren herumgerissen, und soviel Fluglotsen wie irgend möglich werden seitdem ausgebildet.
Zur Zeit arbeitet die Akademie zur Ausbildung von mehr Nachwuchs deshalb "am Anschlag". Bis die neu ausgebildeten Nachwuchslotsen die Personalknappheit beheben können, bedarf es also noch einer gewissen Zeit, für die die Deutsche Flugsicherung vorübergehend eine höhere Anzahl von Überstunden als zulässig erklären möchte.

Außerdem will die GdF veränderte Unternehmens- und Personalstrukturen, will die Privilegien der Fluglotsen erweitern, z.B. durch Einführung starrer Karrierewege, die die persönliche Leistung der einzelnen Fluglotsen außer Acht lassen. Ferner will die Fluglotsengewerkschaft mehr oder weniger alle entscheidungsträchtigen Unternehmenspositionen bei der Deutschen Flugsicherung für die Fluglotsen monopolisieren. Sie will die Unternehmenspolitik dieser Privatunternehmung – allerdings im Alleinbesitz der Bundesrepublik Deutschland – de facto bestimmen dürfen usw. Außerdem will sie als Organisation ihren Zuständigkeitsbereich erweitern und für andere Gewerkschaften abschotten -usw. usw. Einige dieser Forderungen hat die GdF fallen lassen müssen, weil das Arbeitsgericht diese bereits als verfassungs- und rechtswidrig verurteilt hat. Deshalb ist bekanntlich der bereits schon zur letzten Woche geplante Termin für den Streik geplatzt.
Für heute ( 09.08.2011 ) hat die Gewerkschaft zwar den Streik geplant, musste ihn aber fallen lassen, obgleich zunächst ein positives Urteil für sie erging, da sie notgedrungen auf alle rechts- und grundgesetzwidrigen Forderungen verzichtet hatte. Unmittelbar nach diesem Urteil wurde aber von der Deutschen Flugsicherung als Arbeitgeber und somit Tarifpartner die Schlichtung angerufen. Während der sofort beginnenden vierwöchigen Schlichtung herrscht Friedengebot für die Tarifpartner – also musste die Gewerkschaft den angedrohten Streik aussetzen.

Gut für die Urlauber, denn in vier Wochen dürften die weitaus meisten von ihnen wieder zurück sein.

Die DEUTSCHE ZENTRUMSPARTEI akzeptiert sehr wohl die Argumentation der Gewerkschaften, dass Ihnen als letztes Mittel zur Durchsetzung ihrer Forderungen nur der Streik bliebe . Aber sie möchte daran erinnern, dass dieses Kampfmittel der Arbeitnehmerorganisationen in der Industrie entstanden ist, bei der die Hauptgeschädigten die Arbeitgeber/Unternehmer und gegebenenfalls auch noch deren Kunden waren. Bei derartigen Dienstleistungsorganisationen wie der Flugsicherung sind bei einem Streik fast nur Dritte betroffen, als Fluggäste und Fluggesellschaften, die von den Details dieser Auseinandersetzungen meistens keine Kenntnis haben. Sie haben nur den Schaden!! Der eigentliche Kontrahent, die Deutsche Flugsicherung, würde durch einen derartigen Streik in Wirklichkeit nur sehr indirekt betroffen und kaum geschädigt..

Wenn also überhaupt ein Streik in diesem Wirtschaftsbereich erwogen wird, muss gesichert sein, dass der Drittschaden so gering wir möglich ist. In diesem Fall dürfte ein Streik beispielsweise nicht in der Urlaubszeit stattfinden – sondern beispielsweise im November. Und es müsste dann ein sehr viel bedeutsamerer Anlass gegeben sein als nur eine weitere Steigerung der schon horrenden Gehälter und der Verbesserung der schon erreichten Privilegien der Fluglotsen oder um mehr Macht und mehr Privilegien für die Gewerkschaft als Organisation. Die Rücksichtslosigkeit gegenüber ihren Mitmenschen und der Gesellschaft, mit der diese Minigewerkschaften und vergleichbare Gruppen ( z.bB. Piloten, Lokomotivführer usw.) bei uns ihre Ziele verfolgen, hat schon etwas Beängstigendes.
Wahrscheinlich aber sind diese Leute schon so abgebrüht, dass sie nicht einmal rot werden, wenn sie morgens in den Spiegel schauen.