Wieso haben wir in Deutschland soviel Versager unter den Personalverantwortlichen ?Teil 2


Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg                             11.11.2010

Zunächst müssen wir uns herzlich bei dem Bundesminister Dr. jur. Wolfgang Schäuble für seine sehr gut gelungene Darstellung eines Negativbeispiels als Ergänzung für unser Thema "Wieso haben wir in Deutschland soviel Versager unter den Personalveranwortlichen ?" bedanken. Seine lebensechte Demonstration zu diesem Thema am 4.November 2010 in der Pressekonferenz bestach durch seine Glaubwürdigkeit und ist besonders hinsichtlich seines persönlichen Einsatzes sehr zu loben.
Auch von konservativen Wirtschaftspädagogen und renommierten Theaterkritikern würde diese Darbietung mindestens mit "gut" – wenn nicht sogar mit "sehr gut" - bewertet werden können.
Seinem Probanden Michael Offer in der Rolle des Pressesprechers und Opfers gilt ebenfalls unser Dank. Großartig war seine sowohl verbale wie auch non – verbale Darstellung die des vorbildlichen Beamten, der sich bis zur Selbstverleugnung beherrscht und bis zum "i"-Tüpfelchen korrekt bleibt. Das war wirklich ganz, ganz großes Theater.

Allerdings bleibt anzumerken, dass das Drehbuch in einigen Punkten leicht nachgebessert werden muss. Die Vorgaben für die Darstellung des "Vergehens" des Michael Offer in der Rolle des Pressesprechers waren nicht so ganz einsichtig. Sein "Fehlverhalten" hätte etwas stärker herausgearbeitet werden müssen.
Denn: Unter objektiven Gesichtspunkten wäre dem Pressesprecher in dieser realen Situation eigentlich nicht so viel anzulasten gewesen. In jedem Fall nicht soviel, wie der sonst vortreffliche Hauptdarsteller Wolfgang Schäuble in der Rolle "Komplettversager als Personalverantwortlicher" als Impuls verarbeitete.
Besonders lobenswert erscheint die theatralische Einfühlung der beiden nach dem Vorhang: Wolfgang Schäuble, der sich auch mehrere Tage danach als wenig einsichtig gab – und Michael Offer, der gekonnt seinen Posten niederlegte.

Das Publikum dankte mit hoher Aufmerksamkeit – wie wir wissen, ein besonders wichtiges Gut für Schauspieler und Politiker, die bekanntlich nicht genug davon bekommen können.

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So – liebe Leser – genug des bösen Scherzes; ab jetzt wollen wir zunächst wieder ernsthaft werden.

Festzustellen ist nach diesem Vorfall am 4.11.2010, dass der Bundesminister der Finanzen, Wolfgang Schäuble, uns eine Form des Versagens eines Personalverantwortlichen vorgeführt hat, wie auch ein guter Dozent für Personalwirtschaftslehre es sich nicht besser wünschen kann. Man mag ahnen, wie dieser Vorgesetzte im Alltag mit seinen Leuten umgeht – ein schlimmeres Negativbeispiel als dieses ist nur in irgendeinem Steinbruch in Indien oder bei einem Chef von Wanderarbeitern in China vorstellbar.

Wolfgang Schäuble ist nicht irgendwer.
Er ist einer der kompetentesten Minister, virtuos in vielen Ämtern. Er hat sich unendlich viele Verdienste um Deutschland und besonders um die deutsche Einheit erworben. Natürlich hat er Fehler gemacht. Aber wir wissen: Nur wer nicht arbeitet, macht keine Fehler.

Wolfgang Schäuble hat wie ein Berserker gearbeitet, ist alt geworden und hat sich verschlissen. Nach seinen schweren Verwundungen und seiner Behinderung ist er nicht mehr so belastbar wie früher. Und Politik ist ein mörderischer Job – irgendwann muss er sich schon aus Gründen des Selbsterhalts davon trennen. Auch wenn seine Frau in jüngster Vergangenheit einmal durchsickern ließ, dass er sich so stark in der Politik engagiert hätte, dass man um ihn fürchten müsse, wenn er "gegangen" werde.

Nach seinem Auftritt vor laufenden Kameras und seiner Unfähigkeit, den dadurch vermittelten Eindruck zu revidieren, wird es kurz oder lang notwendig sein, Wolfgang Schäuble davon zu überzeugen, dass er sich auf das Altenteil zurückziehen muss. In seinem Interesse muss man hoffen, dass ihm eine hinreichend lange Schamfrist gewährt wird bzw. sich gegebenenfalls selbst gewährt – aber auch, dass er sich von der Notwendigkeit des "freiwilligen" Rückzuges überzeugen lässt.
Er sollte daran gehindert werden, selbst sein Ansehen weiter zu beschädigen

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 12. April 2011 um 13:31 Uhr