Heiner Geißler und der „totale Krieg“

Dr. Klaus Wieser, Landesverband Hamburg, 05.08.2011

Was war es denn nun, was Heiner Geißler, zur Zeit Schlichter im Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21, am vergangenen Freitag, am 29.07.2011, angesichts der tiefen Gräben zwischen den Konfliktparteien in Wirklichkeit meinte: Ein Skandal ? - Eine Posse ? - oder exemplarisches Lernen zum Thema:"Politische Korrektheit und Meinungsfreiheit"?

Zweifellos wäre es skandalös, wenn man sich aus dem sogenannten "Wörterbuch des Unmenschen" (Dolf Sternberger, 1957) bewusst im Sinne der braunen Massenmörder bediente. Aber: Kann man wirklich Heiner Geißler in die Nähe der Braunen rücken?
Wie reagierte er selbst auf die unterstellte geistige Nähe zu NS – Propagandachef Joseph Goebbels ? Auf sehr bezeichnende Art sagte er dazu: "Wenn ich in der Nähe von Goebbels bin, ist der ‚Playboy‘ das Mitteilungsblatt des Vatikans."

Trotzdem hat das den Journalisten / Reporter vom Deutschlandfunk am Morgen des 30.07.2011 ( Samstag ) in einem Interview mit Heiner Geißler nicht davon abgehalten, wirklich so zu insistieren, als ob er es für möglich hielte ( Vielleicht war er es wirklich ? ), dass dieser die Formulierung vom totalen Krieg im Sinne des "Wörterbuch des Unmenschen" verwendet haben könnte. In jedem Fall wurde dem Hörer dieser Sendung sehr viel mehr über den Interviewer als über den Interviewten vermittelt – und vielleicht sogar über die ganze Redaktion des Senders.
An dieser Stelle sollten wir hier die diesbezüglichen Überlegungen einstellen. Anderenfalls müssten wir gleich die Frage anschließen, wes Geistes Kind diese Leute sind, die im Öffentlich Rechtlichen Rundfunk von unseren Gebühren bezahlt werden?
Aber: In jedem Fall wurde seitens dieses Reporters/Journalisten so gehandelt, wie es sich für einen Politisch Korrekten gehört. Er wäre in diesem Verhalten nicht allein, wenn man dann die weiteren Kommentare der elektronischen bzw. papiergebundenen Journallie hierzu verfolgte und verfolgt.

Und damit sind wir gleich bei der Frage schon bei der anderen Deutung: War es eine Posse ?
Höchstwahrscheinlich, denn ein alter politischer Haudegen wie Heiner Geißler wusste genau, mit wem er es zu tun hatte. Im Hamburger Abendblatt vom 04.08.2011 konnte man lesen, dass Heiner Geißler die Formulierung vom "totalen Krieg" absichtlich gewählt hatte. "Es war eine bewusste Zuspitzung und der erwünschte Erfolg ist da", hat er der "Passauer Neuen Presse" gesagt. Die Reaktion in der Öffentlichkeit auf eine Wortwahl aus der Zeit des NS – Regimes habe "etwas Manisches". Wenn man etwas aus der Nazi- Zeit erwähne, würden die Leute nervös und verrückt. Er hatte Recht!!
Das alte Schlitzohr Heiner Geißler hat sich mit einer derartig deftigen Formulierung Gehör verschafft und hat gleichzeitig die Anwesenden in Stuttgart in Erinnerung an das, was auf diese Goebbel‘ schen Formulierungen in der damaligen Realität folgte, aufgerüttelt.
Augenzwinkernd stand demnach dann Heiner Geißler sozusagen daneben als Beobachter seiner selbst und seiner Umgebung und hat darauf gelauert: "Wollen doch einmal sehen, was jetzt kommt!"

Damit hat er ungewollt allen denjenigen, die sich um die Meinungsfreiheit in diesem Land sorgen und die "politische Korrektheit" der Gutmenschen als eine Art von Meinungsterror sehen, eine schöne Lektion geliefert. Keinem begnadete Professor, Dozenten oder Lehrer könnte so ein schönes Lehrbeispiel einfallen und erst recht ließe sich derartiges nicht konstruieren.

Die Deutsche Zentrumspartei dankt dem hervorragenden Lehrer Heiner Geißler für seine Lehrstunde über die Dämlichkeit und Borniertheit der politisch Korrekten. Wir sehen wieder einmal, wie verletzlich das hohe Gut der unbefangenen Rede und der Meinungsfreiheit ist. Falsche Formulierungen - mit Bedacht, aber auch aus Versehen - können zwar heute nicht mehr wie in Zeiten der braunen oder der roten Diktatur den Kopf. mindestens aber die Karriere kosten.
Sie sind immer noch gefährlich!